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Joy Denalane

Kritik zum Konzert am 2. Juli beim Strandkorb-Festival auf dem Regensburger Dultplatz

Erste Deutsche bei Motown!

Eigentlich kann das kein Zufall sein: Die beiden Frauen, die als Deutsche bei einem großen US-Soul-Label Alben veröffentlichten, sie heißen beide „Joy“ mit Vornamen. Die eine, das ist die 2017 verstorbene und vor allem für ihren ebenfalls recht souligen Grand Prix-Klassiker „Ein Lied kann eine Brücke sein“ berühmte Offenbacherin Joy Fleming. 1973 nahm sie eine Single auf, für Stax-Records in Memphis (bei Spotify nur zu finden, wer nach „Joy Felming“ sucht!), die natürlich floppte – aber absolut hörenswert ist und wie die Faust aufs Auge hineinpasste, in den damaligen Label-Katalog, der von Größen wie den Staple Singers, Isaac Hayes oder Johnny Taylor dominiert wurde. Die andere – sie heißt Joy Denalane. Und sie gastierte hier bei uns in Regensburg, am sehr kühlen ersten Julifreitag beim Strandkorbfestival am Dultplatz. Mitgebracht hatte sie ihr grandioses aktuelles, tatsächlich bei Motown erschienenes Album „Let Yourself be loved“. Man kann – ja, muss wohl sogar – diskutieren, ob die Soulsängerin ideal platziert ist, auf diesem riesigen, über den Charme eines Parkplatzes verfügenden Veranstaltungsort. Aber, wenn man das mal beiseite lässt, dann kann man nur zu dem Ergebnis kommen, dass dieser rund 80-minütige Konzertabend fulminant war. Und zwar, weil diese Verbeugung vor einem Label und dessen melancholischem bittersüßen 70er Jahre Sound von absoluten Könnern und Meistern zelebriert wird.

Da ist natürlich allen voran die weißes Leinen und strassbesetzte High Heels tragende Joy Denalane, deren Liebe zur gesamten Black-Music-Tradition offenkundig ist. Sie singt grandios, und sie versteht es auch optisch das Bild der Soul-Queen zu vermitteln. Wirklich sensationell aber ist ihre Band. Die verzichtet zwar auf Gitarre und auch auf genretypische Bläser (und müsste deshalb eigentlich mit einem bis zwei Maluspunkten belegt werden) – aber wer so argumentiert, der vergäße auf den großartigen Roberto Di Gioia im Line-up. Der hat als Producer des Albums alle Strippen in der Hand und dirigiert von seinem Fender Rhodes aus das kleine Rhythmusensemble, das aus dem enorm fleißigen Michael Paucker am Bass und dem sehr präzisen Matteo Scrimali an den Drums besteht.

Ohne Gitarre, funktioniert das? Wer sich an den Rockpalast-Auftritt von Joe Jackson erinnert, als dieser 1983 sein im Jahr zuvor erschienenes „Night and Day“-Album präsentierte, weiß, was gemeint sein könnte (und auch Ben Folds Five kommen großartig zurecht, ohne Sechssaiter). Der Sound gewinnt an Transparenz, was oftmals überdefiniert daherkommt, ist hier schlank und reduziert aufs maximal Notwendige. Und: Bei Joy Denalane ist es so, dass man meinen könnte, man sähe Studio-Cracks aus L.A. dabei zu, wie sie sich warmspielen, um hinterher Hand anzulegen, ans Toto-Debüt, eine Ambrosia-Produktion oder auch, um die ausgelaugten Steely Dan mit Ideen zu versorgen. Erschwerend hinzu kommt, dass sie auch noch verdammt gut und authentisch aussehen, und uns so mit ihren Vollbärten, Baseball-Caps und den Wuschelfrisuren ein ewiges 1976-Feeling vermitteln.

Textlich geht es bei Joy Denalane um die Spielarten der Liebe und darum, was schiefgehen kann. Das ist für die melancholische Grundstimmung der Kompositionen verantwortlich, die wiederum Roberto Di Gioia akustisch untermalt (so, wie er das auch auf dem grandiosen Till Brönner-Album von 2012 macht), mit seinem Fender Rhodes, dem Mellotron und seinem Clavia Nord Stage. Das Publikum, anfangs vielleicht noch ein bisschen reserviert, merkt schnell, dass dieser Abend über absoluten Leckerbissen-Charakter verfügt. Und dankt’s am Ende, mit frenetischem Applaus. Und ist entsprechend dankbar und fasziniert, beim Nachhausegehen. (Peter Geiger)

Fotokredit: PeG

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