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Bad Company. Meine denkwürdige Karriere bei der Wirecard AG

Jörn Leogrande

Hardcover, 288 Seiten, Penguin Verlag, 22 Euro
Wirecard – ein Name, der seit dem letzten Jahr für alles Mögliche steht, angefangen von Betrug, Hochstapelei, Dummheit bis leichtgläubig und resistent für Skepsis.

Wirecard – ein Name, der seit dem letzten Jahr für alles Mögliche steht, angefangen von Betrug, Hochstapelei, Dummheit bis leichtgläubig und resistent für Skepsis. Und jetzt schreibt der Ex-Wirecard-Manager Jörn Leogrande über seine Zeit bei der Firma, kurz nachdem der große Schwindel geplatzt ist. „Da will sich jemand schnell absetzen, mag man denken. “Bad Company”, schlechte Gesellschaft – das klingt nach dem juristisch durchgeputzten Protokoll eines selbsterklärten Opfers“,  meint das Manager-Magazin.

Aber das Buch „ist ein Kracher“, anders kann man es nicht bezeichnen. Mit immer mehr Verwunderung liest man von den Vorgängen in der Firma, die sich doch nach außen als „Global Player“ darstellte, und deren Top-Leute sich im Bereich von Bezahlsystemen, die die Company betreiben wollte, irgendwie gar nicht richtig auskannten; so jedenfalls ist der Eindruck, den man bei der Lektüre erhält. Teure Investitionen, die kaum Geld einbrachten, wurden auf der Habenseite der Firma mit hohen Gewinnerwartungen versehen und trieben die Börsenkurse nach oben – die Erinnerung an die „Haffa-Brüder“ mit em-tv drängen sich da förmlich auf. Wieso konnten die Finanzprüfer in all den Jahren diese Luftbuchungen nicht erkennen, wieso ist keiner einmal dem Geld „nachgereist“ und hat die Auslandskonten überprüft? Leogrande schreibt im letzten Abschnitt seines Wirtschaftskrimis, wie er 2017 in Chennai in Indien die dortige Wirecard-Niederlassung gesucht habe, und „der Taxifahrer hat uns in ein Viertel gefahren, das man aus europäischer Sicht als Slum bezeichnen würde.“  Lediglich ein schneeweißer Audi A6, der auf einem Hügel neben einem „flachen Gebäude von so schmuckloser Gesichtslosigkeit“ geparkt war, war die Zentrale für Indien, die den boomenden dortigen Markt beherrschen wollte. „Vorsprung durch Technik in übler Umgebung. Das ist ganz und gar Wirecard.“ (S. 282)

Jörn Leogrande kannte die Führungspersonen seit den Wirecard-Anfängen und hatte zeitweise ein gutes Verhältnis mit ihnen, nahm als Marketingchef für die Bezahlsysteme an internationalen Meetings teil, bis er irgendwann nicht mehr zum „inner circle“ gehörte. „Im Nachhinein ist das seine Rettung“ gewesen, meint das Manager-Magazin. Warum machte der Autor so lange bei dieser Firma mit, obwohl er, wie er schreibt, immer mehr Zweifel an der Seriosität der Transaktionen hatte? “Solange das Geld fließt, ist alles ok. Das ist so etwas wie das inoffizielle Wirecard-Motto Nummer 1”, schreibt Leogrande. Wo genau das Geld herkam und wo es verschwand, das war nicht seine Aufgabe zu überprüfen.

Leogrande konnte den Verlag überzeugen, das Buch selbst zu schreiben und auf den angebotenen „Ghostwriter“ zu verzichten. Eine gute Entscheidung, wie sich gezeigt hat. Der abenteuerliche Wirtschaftskrimi wird mit geschickter Distanz und Selbstironie erzählt, ist ein echter Pageturner geworden. Da erweist es sich als Vorteil, dass der Autor vor seiner Wirecard-Karriere als freier Journalist und Werbetexter gearbeitet hat. Bei LinkedIn ist er allerdings mit seiner zweiten Karriere geführt:  Jörn is globally recognized for digital transformation and innovation in Fintech.

„Leogrande will Rechenschaft ablegen, warum er in dem Schmierentheater bei Wirecard mitgemacht hat. Sein Publikum muss sich fragen, warum es der Nummer überhaupt so lange glauben konnte.“ Diesem Fazit aus dem Manager-Magazin ist nichts hinzuzufügen. (arm)

 

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