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Life in the pond

Roger Chapman

Mit „Life In The Pond“ erhebt er seine Stimme erneut, auch wenn diese nicht mehr so aufgekratzt klingt wie früher, und schafft damit ein überzeugendes Spätwerk.

 

 

 

Ein Studioalbum von Roger Chapman lässt immer aufhorchen. Seit Beginn seiner Karriere – ab 1966 als Teil der ebenso bahnbrechenden wie einflussreichen Band Family, danach mit den Streetwalkern und Shortlist, sowie seit vielen Jahren als Solokünstler – ist der britische Sänger und Songwriter konsequent seine eigenen Wege gegangen. Dabe ist „Chappo“, wie seine Fans den britische Sänger und Songwriter nenne, konsequent immer seine eigenen Wege gegangen. Er lehnt sich gegen die Regeln der Musikindustrie auf, geht über Genres hinaus und dient stets als Spiegel der Gesellschaft, in der er lebt. „Ich habe mit dem Schreiben nie aufgehört“, reflektiert er. „Mit Life In The Pond bin ich nach langer Zeit wieder meinem Wunsch nachgegangen, meine Worte zu vertonen.“ „Life In The Pond“ erscheint zwar nach einer langen Abwesenheit vom Studio, doch der inzwischen 79-jährige Chapman ist sehr produktiv geblieben. Ganze zwölf Jahre nach der gefeierten Raritätensammlung „Hide Go Seek“ bringt der neue Longplayer den Veteranen mit einigen alten Weggefährten zusammen – darunter sein ehemaliger Family-Kollege John „Poli“ Palmer, der als Mitkomponist und Produzent tätig war, und seinen langjährigen Kollegen Geoff Whitehorn an der Gitarre. Musikalisch stellt „Life In The Pond“ den Zusammenhang zwischen all seinen Ur-Einflüsse her. Im Jahr 1979 begann mit dem Album „Chappo“ schließlich die Solokarriere. Mehr als vier Jahrzehnte später führt er nun die Fäden wieder zusammen. Dazu Chapman: „Ich empfinde eine gewisse Nostalgie für die Musik, die mein Leben geprägt hat: Amerikanische Rockmusik von den 50ern bis heute oder auch britischer R‘n’B aus den 60ern. Musiker wie Georgie Fame, die Stones oder Zoot Money. Auch Folk, Blues, Motown, Stax, Blue Note-Jazz, Americana, Country und klassische Musik haben mich beeinflusst. Ein ganze Menge…“ Dazu haben die Songs durchaus einen Bezug zu aktuellen Ereignissen. „Vor allem meine Wut auf Politiker bringt mich regelmäßig aus der Fassung“, erläutert Chapman seine Texte. „Das tägliche Geschehen, Nachrichten aus aller Welt, meine Gedanken über Freunde und Menschen im Allgemeinen … das fließt alles mit in die Texte ein.“ Nachdem das Album mit dem tiefen Groove, dreckigen Gesang und heftigen Bläsern von „Dark Side Of The Stairs“ los geht, rufen Songs wie das hypnotische, siebenminütige Epos „Nightmare #5″ und die dystopische Soul-Funk-Nummer „Rabbit Got The Gun“ eine breite Palette an Stimmungen hervor. „Having Us A Honeymoon“ eröffnet mit einem kleinen Fetzen aus dem Hochzeitsmarsch von Mendelssohn und endet als ein von Honky-Tonk-Piano begleitetes Singalong. Am anderen Ende des Spektrums steht das überraschend ruhige „Lavender Heights“, bei dem Chapman ganz auf seine Stimme setzt  – dezent begleitet von Keyboard und Streicher – um menschliche Wärme und Zärtlichkeit zu vermitteln. Keine Frage: Seine Texte haben noch Biss. Und der Song „Naughty Child“, der das Album abschließt, zeigt, dass Chapman auch mit 79 Jahren seinen Idealismus nicht verloren hat. „When the world was young and foolish“, singt er. „When the world was running wild…“ Mit „Life In The Pond“ erhebt er seine Stimme erneut, auch wenn diese nicht mehr so aufgekratzt klingt wie früher, und schafft damit ein überzeugendes Spätwerk. „Ich bin Poli sehr dankbar, dass er mir diese Plattform geboten hat“, sagt er. „Ich glaube, wir haben echt eine tolle Leistung vollbracht.“ (Ruf Records/Chappo Music) P.Ro

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