altemaelze

26 East Vol. 2

Dennis DeYoung

Die Band musiziert über die gesamte Laufzeit der CD in bester Tradition von Styx und das wird nicht nur die Fans dieser Band zufriedenstellen – zumal DeYoung noch aller bestens bei Stimme ist.

Uff! Da ist ex-Styx-Sänger Dennis DeYoung mit seinem Abschiedsalbum ein Geniestreich gelungen! Jeder der Songs strotzt vor Musikalität und Spielwitz. Immer wieder werden Styxzitate in die Songs eingebaut und entlocken einem ein begeistertes Schmunzeln. Überhaupt, die Band musiziert über die gesamte Laufzeit der CD in bester Tradition von Styx und das wird nicht nur die Fans dieser Band zufriedenstellen – zumal DeYoung noch aller bestens bei Stimme ist. Aber der Reihe nach, denn am Beginn steht eine grandiose Beatles-Hommage namens „Hello Goodbye“. Nein, keine Coverversion des Lennon/McCartney-Tracks, sondern eine eigene Komposition. Aber gespickt mit brillanten Beatles-Zutaten. Von den Harmonien, bis zu den eingesetzten Instrumenten, alles ist einfach wunderbar gemacht. Immer wieder tauchen im weiteren Verlauf des Albums die Styx-typischen Chöre auf. Opulent, wie in besten Zeiten und immer noch ergreifend. Etwa in der Ballade „Your Saving Grace“ oder im atemberaubenden „Proof Of Heaven“. Dieser Titel hat das Zeug zum Klassiker und hätte jedes Styx-Album aufgewertet. Ebenso wie das Progrock-Monument „The Isle Of Misanthrope“, das mehr als sechs Minuten mit Chorgesängen, ausladenden Keyboards und harten Gitarren fasziniert. Die Ballade „Always Time“ startet mit einer Klavier-Reminiszenz an Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus Peer Gynt und zeigt die Bandbreite diese Scheibe. „There’s No Turning Back“ erinnert anfangs in positivster Weise an „Crystal Ball“ und „Made For Each Other“ wurde als Outro eine Erinnerung an „Come Sail Away“ spendiert. Was müssen die Musiker für einen Spaß bei den Aufnahmen gehabt haben. Der einzige Schwachpunkt des Albums ist „The Last Guitar Hero“, bei dem Gast Tom Morello ein uninspiriertes Solo beisteuert. Kein Vergleich mit seinem solistischen Geniestreich bei Springsteens 2014er Fassung von „The Ghost Of Tom Joad“ auf dem „High Hopes“-Album. Aber darüber kann man ob der ansonsten hochklassigen Scheibe locker hinwegsehen. Am Ende von „26 East Vol. 2“ erinnert Dennis DeYoung noch an „Grand Illusion“, schließt damit seine Karriere als Recording Artist. Die Scheibe ist ein mehr als würdiger Farewell-Gruß eines Musikers, der mit tollen Songs seine Karriere Revue passieren lässt und „nebenbei“ auch noch eine Zeitreise durch die Rockmusik unternimmt. Beim Schreiben dieser Zeilen ist das neue Styx-Album „Crash Of The Crown“ (VÖ: 18. Juni 2021) noch nicht erschienen. Man darf gespannt sein, was Tommy Shaw und James Young mit ihrer aktuellen Besetzung zu bieten haben. Die Messlatte liegt auf jeden Fall sehr hoch! (Frontiers Music) acb

******

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

Share on facebook
Share on twitter