altemaelze

With Friends At St. David’s

Marillion

Wer auf Progressive Rock in höchster Qualität steht, verbunden mit einem famos aufspielenden Mini Orchester, findet hier die Erfüllung seiner Träume.

Mit “With Friends At St. David’s” veröffentlichen Marillion Ende Mai 2021 ein weiteres Live-Album. Wobei dieses 2019 in Cardiff aufgenommene Konzert dann doch wieder etwas Besonderes ist: Basierend auf dem fast gleichnamigen Album „With Friends from the Orchestra“ von 2019, gibt es hier eine Setlist, die um einige Songs erweitert bzw. leicht abgeändert, nur  Lieder aus der zweiten Schaffensperiode der Band, also nur Songs von und mit Sänger H, in Verbindung mit einem kleinen Orchester bestehend aus Streicher und etwas Gebläse, umfasst. Auffällig ist beim Anhören schon mal die wirklich perfekte Verzahnung von elektrischer Rock Musik und dem Mini Orchester. Hier spielt nichts nebeneinander, sondern immer alles zusammen. Die Band ist wie immer in top Form. H singt wie ein junger Gott (auch wenn man natürlich seine etwas leidende Stimmer mögen muss), Steve Rothery schüttelt sich die bekannt, swingende Gitarrensoli und Riffs locker aus dem Ärmel und was erfreulich ist, man hört den Bass, was nicht immer selbstverständlich ist. Auf offensichtlich Hits wird verzichtet. Der „Casual Listener“ kennt vermutlich maximal „Seasons End“ (vom gleichnamigen Album, dem ersten mit H als Sänger) und vielleicht noch „The Hollow Man“ (von „Brave“). Davon abgesehen ist Easy Listening schon was anders. Hier braucht man Sitzfleisch, sind die Songs doch teilweise extrem lang vom mit fünfeinhalb Minuten „kurzen“ bereits erwähnten, recht ruhigen „The Hollow Man“ bis zu den beiden fast 20 Minuten langen „Gaza“ (passend zum Titel schön orientalisch angehaucht und mit tollem Text versehen) und „Ocean Cloud“. Interessant sind auch immer wieder die kleinen Geschichten zu den Songs, die H zum Besten gibt. Wirklich sehr berührend fand ich persönlich die Inspirationsquelle zum auf Tatsachen basierenden „Estonia“ (Untergang der besagten Fähre 1994 mit fast 900 Toten), welcher den Geschehnissen von damals entsprechend recht ruhig daher kommt. Aber egal, ob es rockt wie bei „The New Kings“ (vom bis dato letzten Album „F.E.A.R. von 2016) oder ruhiger abgeht, grandios und auch überragend produziert, macht das Teil Spass. Fans der Band, die sie nur mit Fish akzepzierten, werden hier vermutlich nicht für sich fündig werden. Hörer, die nur „Kaleigh“, „Hooks in you“ oder „Lavender“ mit der Band verbinden auch nicht, denn „poppiges“ Liedgut bleibt komplett außen vor. Alle anderen, die auf Progressive Rock in höchster Qualität stehen, verbunden mit einem famos aufspielenden Mini Orchester, finden hier die Erfüllung ihrer Träume. Noch ein Tipp von meiner Seite: Man greife zur BluRay-Version, da es hier vier weitere „Live Bonus Tracks“, ein Making of und das Studio-Album obendrauf enthält. Sieben Sterne für ein Meisterwerk. (earMUSIC/Edel) HJH

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