altemaelze

Strangers d’Amour

Fargo

Damit zeigt die Band, dass sie wieder kräftig mitmischen will und nichts verlernt hat – das ist kein Alterswerk, die zwei alten Herren Knorn und Ladwig haben’s noch drauf!

Erfahrungen gehören bekanntlich zu den wertvollsten Ressourcen eines Künstlers. Die durch nichts zu ersetzende Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können und stets mit dem richtigen Timing vorzugehen, anstatt sich von nervöser Ungeduld leiten zu lassen, wiegt jugendlichen Elan und natürliche Experimentierfreudigkeit mühelos aus. Die Hannoveraner Rockband Fargo mit ihrem Gründer und Bassisten ´Fargopedda` Knorn, dem wenig später hinzugestoßenen Sänger/Gitarristen Peter Ladwig und ihrem Schlagzeuger Nikolas Fritz (vorher bei Mob Rules) besitzt diese Erfahrung und legt sie nun erneut in die Waagschale bei ihrem sechsten Longplayer. Im Einklang mit sich waren Fargo immer schon. Als Vorläufer der weltweit erfolgreichen Hardrock-Formation Victory, die Knorn 1984 ins Leben rief und 2011 nach riesigen Erfolgen in Europa und den USA wieder auflöste, gehörten Fargo zu den angesehensten deutschen Rockbands der frühen Achtziger. 1979 erschien das Debütalbum WISHING WELL, bis 1982 folgten über den damaligen Branchenriesen EMI drei weitere Studioscheiben. Doch dann war Schluss und Knorn gründete die Formation Victory 1984, die bis 2011 bestand. Nach 34-jähriger Unterbrechung meldeten sich Fargo im Herbst 2017 zurück und veröffentlichten ein Jahr später das Comeback-Album ‚CONSTELLATION‘. Drei Jahre nach dieser Comeback-Scheibe von 2018 erscheint Ende Juni das neue Album ‚STRANGERS D´AMOUR“ mit elf neuen Songs. Gemäß des Mottos „reduce to the max“ sind Fargo zum Trio avanciert. Unterstützung im Studio erhielten sie noch von Hanno Grossmann (guit, backing vox), der auch früher schon bei Fargo mitgespielt hatte, und Torsten Luederwaldt (organ). „Im Vergleich zu ‚CONSTELLATION‘ klingt ‚STRANGERS D´AMOUR‘ noch reifer und runder, mit den für uns typisch-treibenden Beats und vielen melodischen Refrains, aber auch kleinen Überraschungen“, erklärt Knorn. „In ‚Gimme That Bone‘ und ‚Why Don´t You‘ spielt Ladwig beispielsweise neben Gitarre auch Hammond Orgel und Fender Rhodes. Und so viel Tempo wie in ‚Rain Of Champagne‘ gab es auf früheren Fargo-Werken kaum einmal!“ Ansonsten gibt es hier die gewohnt entspannte Rockmusik, den klassischen Classic Rock, für den Fargo seit weit über 40 Jahren bekannt sind. Das sechsminütige ‚Time‘ etwa blickt bis in die späten Siebziger zurück und erinnert ein wenig an Fargos Stadtkollegen Eloy oder Jane, ist stilistisch nur geradliniger. Knorn: „Gleichzeitig findet man in unseren Songs einen roten Faden, der nicht nur die neuen Stücke, sondern alle Fargo-Scheiben miteinander verbindet: Ladwigs markanter Gesangsstil und sein ausgeprägtes Melodieverständnis sind einfach unverwechselbar.“ Nicht zu vergessen Knorns intelligente und nicht selten augenzwinkernde Texte, unter anderem über illegale Schnapsbrenner (‚Mary Says‘), den Kampf zweier Pudel um einen begehrten Knochen oder Sex im Auto (‚Car Expert‘), aber auch mit kritischen Statements zur katastrophalen Umweltsituation (‚Closer To The Sun‘) und sogar Querverweisen auf Goethes ‚Faust‘. Damit zeigt die Band, dass sie wieder kräftig mitmischen will und nichts verlernt hat – das ist kein Alterswerk, die zwei alten Herren haben’s noch drauf! (Steamhammer SPV) P.Ro

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