altemaelze

Pure Fabrication

Communions

Wie gewohnt musikalisch im vertrauten Terrain des 80er-Poprock mit Indie-Anstrich und zum Sterben schönen Refrains.

Die zwei Brüder Martin und Mads Rehof, die den Kern von Communions bilden, melden sich zurück, und wie es bei dem bisherigen Werdegang der Band nur folgerichtig ist, hat sich wieder eine Menge getan. Sie präsentieren auf ihrem zweiten Album „Pure Fabrication“ sehr viel reifere künstlerische Perspektiven als zuvor – weil sie Intuition und Intellekt, Bauchgefühl und Bedeutungsvolles locker kombinieren, sie ihre Punkwurzeln aus dem Umfeld des Kopenhagener Mayhem-Clubs auch mit sehr viel eingängigeren Melodien, sprich: mit Pop- und Indie-Elementen vermählen. Rückblickend sagt Sänger, Songwriter und Gitarrist Martin Rehof über die vorherigen Veröffentlichungen (von denen die erste, „Cobblestones“, noch „mit so einem billigen USB-Mikro aufgenommen“ worden war): „Angefangen haben wir mit Communions während der Blütezeit der ganzen Mayhem-Szene: Noise, Punk und Hardcore waren da gewissermaßen die Standardzutaten. Und dann begannen wir damit, in diesem Rahmen auf mehr Melodien zu setzen, also mit richtigen Popstrukturen zu arbeiten. Als wir dann ‘Blue‘ machten, wollten wir diesen Ansatz wirklich auf die Spitze treiben, also machten wir ein Album, das runtergetrimmt war bis auf die Essenz: Nur noch einfache Melodien und treibende Rhythmen. Fast schon eine Studie in Banalität war das. Damals jedoch waren wir davon überzeugt, dass wir gerade etwas Revolutionäres abgeliefert hatten – weil um uns herum ja alle Noise-, krasse Electro- oder Punk-Sachen machten. Seltsamerweise lag genau darin also das Rebellische für uns.“ Gut zehn Jahre ihrer Kindheit und beginnenden Jugend hatten die beiden Dänen in Seattle verbracht; erst dann zogen sie mitten in dieser so prägenden Lebensphase zurück nach Kopenhagen. „Pure Fabrication“ erzählt von einem Protagonisten, einer fiktionalen Figur, und gleich zu Beginn wird die Themenpalette aufgefächert: Es geht um Themen wie Befreiung, Unabhängigkeit, Freiheit und Transformation – all jene Zutaten also, die eine klassische Coming-of-Age-Story eben braucht. Während „Pure Fabrication“ einerseits der Versuch ist, den eigenen Platz und das eigene Selbstverständnis durch die Linse von uralten Geschichten und Mythen zu definieren – aufmerksame Zuhörer*innen werden Spuren von Goethes „Faust“, Shakespeares „König Lear“, von Homers Sirenen und den Nornen ausmachen können, den schicksalsbestimmenden Wesen in der nordischen Mythologie –, ist der Longplayer insgesamt sogar noch mehr als das: Es ist ein Blick von oben aufs Menschsein, eine Meta-Betrachtung der conditio humana. Basierend auf Underground-Punk-Zynismus und Indie-Rock-Attitüde früherer Songs, zeigt sich die Band auf »Pure Fabrication« selbstreflektorisch und zelebriert scharfe Kulturkritik und Symbolismus in künstlerisch hohem Ausmass. Und wer wissen will, die das tönt, sollte sich die vorab ausgekoppelte Single mit dem Titel „Splendour“ anhören. Wie gewohnt musikalisch im vertrauten Terrain des 80er-Poprock mit Indie-Anstrich und zum Sterben schönen Refrains. (Tambourhinoceros/Rough Trade) P.Ro

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