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Dark in here

Mountain Goats

Es ist ein eher ruhigeres und rauchigeres Päckchen an Songs im Vergleich zu den satten und lebendigen Farben des „Memphis“-Schwester-Albums vom letzten Oktober.

Vor zwölf Monaten führte John Darnielle, der musikalische Kopf von Mountain Goats, mit NPR ein Interview über die halsbrecherischen zehn Tage, die er mit dem Schreiben und Aufnehmen von „Songs For Pierre Chuvin“ auf seiner berüchtigten Boombox verbrachte. In diesem Gespräch wurde enthüllt, dass die komplette MOUNTAIN GOATS Band auch neues Material in „two famed studios in the Deep South“ aufgenommen hatte. Die Öffentlichkeit erfuhr zugleich, dass „Getting Into Knives“, das Album, welches im Oktober 2020 von THE MOUNTAIN GOATS veröffentlicht wurde, in Memphis im Sam Phillips Recording aufgenommen wurde, einem magischen Studio, in dem schon jeder von Elvis Presley bis The Cramps zu Gast war. Was die Frage aufwarf: Was wurde in dem anderen Studio aufgenommen? Hier nun die Antwort: noch ein neues MOUNTAIN GOATS Album! „Dark In Here“ – erscheint am 25. Juni via Merge – wurde in der Woche zwischen „Getting Into Knives“ und „Songs For Pierre Chuvin“ in den FAME Studios eingespielt, der Muscle Shoals Institution, in der schon Aretha Franklin, Wilson Pickett, Gregg Allman, Bobby „Blue“ Band und viele weitere Musiker, hunderte von Alben aufgenommen haben.  Dazu Darnielle: „Die Idee war, dieses Mal mit Matt Ross-Spang zu arbeiten und der schlug vor, dass wir eine Woche bei Sam Phillips Recording, seiner Heimatbasis in Memphis, verbringen sollten, gefolgt von einer weiteren in den ebenso geschichtsträchtigen FAME Recording Studios in Muscle Shoals, Alabama, ein Plan, der gut zu Johns Idee passte, die Songs in zwei komplementäre Partien einzuteilen, eine Art Yin und Yang, eine helle, eine dunkle. Das Memphis-Album – ‚Getting Into Knives‘, das im Oktober letzten Jahres erschien – würde heller, kühner und von satten und lebhaften Farben geprägt sein; das Muscle Shoals-Album – ‚Dark in Here‘, das am 25. Juni erscheinen soll – ruhiger, rauchiger, aber dafür mit mehr Textur und Intensität. So in etwa jedenfalls.“ Bei den Aufnahmen sind auch die Muscle Shoals-Spieler Spooner Oldham am E-Piano und Will McFarlane an der Leadgitarre zu hören. Dazu wieder Darnielle: „Matt hat dafür gesorgt, dass Spooner Oldham auch da war. Spooner ist lebende Musikgeschichte, er hat mit jedem gespielt, von Bob Dylan und Neil Young bis zu Linda Ronstadt und Liberace, um Himmels Willen. Im Ernst, sehen Sie sich seine Credits an, die sind der Wahnsinn. Leute, die mit Spooner gearbeitet haben, beschreiben ihn immer als “einen Trip”, und wenn man ihn trifft, sieht man warum. Er ist leutselig, ein wenig unheimlich, voller unglaublicher Geschichten und er spielt nie zweimal die gleiche Rolle. Spooner ist überall auf “Dark in Here” zu hören – jedes Mal, wenn Sie eine Hammond-Orgel oder ein E-Piano hören, ohne dass sich eine Phrase wiederholt, ist das wahrscheinlich er. Wir haben “The Destruction of the Kola Superdeep Borehole Tower”, live mit ihm aufgenommen, und “Mobile” und “Dark in Here” mit Spooner und seinem Mitstreiter, dem Gitarristen Will McFarlane – einem weiteren lokalen Veteranen, der jahrelang mit Bonnie Raitt gespielt hat. Wir spielen schon lange genug als Band zusammen, um ein gewisses Maß an musikalischer Telepathie entwickelt zu haben, aber diesen beiden Jungs zuzuhören, wie sie in Echtzeit auf uns und einander reagieren, offenbarte eine ganz andere Ebene der Verbundenheit, eine, die an das Übernatürliche grenzt. Wir haben die meisten dieser Songs dreimal durchgespielt; ich bin mir ziemlich sicher, dass die Performances von “Mobile” und “Dark in Here”, die Sie hören, beide zweite Takes sind. Verrückt.“ Die beiden Session-Men waren nur für zwei bzw. einen Nachmittag mit im Studio, ansonsten spielte die Band alle 13 Tracks in zwei Wochen ein: John, der Akustikgitarre und gelegentlich Klavier spielt, die Rhythmusgruppe bestehend aus Schlagzeuger Jon Wurster und Peter Hughes, Bass, und Matt Douglas, der alles andere übernimmt. Das Ergebnis ist etwas schlichter und intimer als die üppigen Arrangements von ‚Getting Into Knives‘. Es ist ein eher ruhigeres und rauchigeres Päckchen an Songs im Vergleich zu den satten und lebendigen Farben des „Memphis“-Schwester-Albums vom letzten Oktober. Ideale Anspieltipps sind „Mobile“, „The slow parts on Death Metal Albums“ oder den Abschluss-Song „Let me bathe in demonic Light“. Sehr beeindruckend und absolut überzeugend! (Merge) P.Ro

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