altemaelze

Battlefields

Scavenger

Damit setzt das Label “Golden Core Records” die Reihe kultiger Album der 80er Jahre fort.

Mit der Veröffentlichung des Albums „Battlefields“ der Belgier Scavenger setzt Neudi von Golden Core Records die Reihe kultiger Album der 80er Jahre fort. Das einzige Album dieser Band schlug damals im metallischen Blätterwald hohe Wellen durch seine historische schlechte Platzierung im Metal Hammer. Als ich das (in der Tat grenzwertig üble, damals wie auch heute noch) Cover im Download sah, konnte ich mich noch genau daran erinnern, dass das Album damals den letzten Platz erreichte mit einem Schnitt von 1,57 und somit in einer Liga mit den Metal Enterprises Veröffentlichungen spielte. Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen dann auch. Aber böser Fehler, denn die Scheibe ist nicht nur gut produziert (auch dank des wie immer geglückten CD Remasterings von Neudi) sondern auch noch richtig gut gespielt und passabel gesungen. Der leider verstorbene Sänger Jan Boekens hatte nun nicht die grandioseste Stimme unter der Sonne, aber zum dargebotenen Liedgut passt sie wie die berühmte Faust aufs Auge. Die Rhythmusfraktion agiert sehr solide, wobei der Drummer ein Faible für Linndrum-artige Fills (sagt man das so?) hat. Jeder Song hat so eine kurze Passage, die man so von Nena her kennt. Der Star ist hier aber eindeutig die Gitarre. Die beiden Gitarristen hatten technisch einiges auf der Pfanne und beherrschten schöne Soli genauso wie tolle Akkustikparts, wie bei meinem Anspieltipp „No Return“ mit seiner knapp einminütigen Bridge in der Mitte des Songs, der ansonsten an US Power Metal der damaligen Zeit erinnert. „Devil’s Answer“ und „Rockfever“ könnten so auch von den Scorpions gemischt mit Accept zu Beginn der 1980er Jahre stammen. Beim speedigen „Free“ standen Agent Steel Pate, während das mit einem Akkustikintro versehene, recht poppige „Heartbreaker“ fast schon leicht New Wave-rockig daherkommt wie eine härtere Version von Fischer Z. Mit dem öden „Vengeance“, das auch vom tollen Solo nicht gerettet wird, gibt es nur einen Ausfall zu verzeichnen. Damit die CD auch eine gewisse Wertigkeit bekommt von der Länge her (das Originalalbum dauert gerade mal 33 Minuten) gibt es noch fünf recht gut klingende Demos von 1982 von der Vorgängerband Deep Throat, die eher 70er Jahre hardrockig daherkommen (April Wine, Triumph fallen mir hier ein) und auch gesanglich komplett anders klingen. Es gibt mit „Stay and have me“ eine sechsminütige tolle Ballade, „Chuck Stallion“ könnte so auch von den Yardbirds vermischt mit The Golden Earrings Ende der 60er Jahre stammen und sogar John Mayall & The Bluesbreakers schauen beim bluesigen „Closer’s Blues“ vorbei (nomen est Omen). Die fünf Livetracks von 1984 tönen allerdings echt grenzwertig und die hört sich niemand ein zweites Mal freiwillig an, auch wenn man hier (soweit man es denn raushören kann) die guten technischen Fertigkeiten erahnen kann. Cooles Teil, das auch sicher wieder vom Booklet her sehr liebevoll aufgemacht sein dürft. Ich vergebe mal fünf Sterne plus ein Kopfschütteln für die damalige Bewertung. Die Band ist inzwischen auch wieder aktiv, wenn auch ohne ein Originalmitglied, dafür aber mit dem Segen der noch lebenden Urmitglieder. 2020 wurde eine Single veröffentlicht, die leider hier nicht mit berücksichtigt wurde. Platz wäre noch gewesen. Wer hier noch etwas mehr erfahren will, greift zum aktuellen Rock Hard, wo die Band zum Einen im Belgien Special erwähnt und zum Anderen direkt mit einem brandneuen Interview bedacht wurde. Bei YouTube kann man mal vorab reinhören. (Golden Core Records) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

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