turmtheater
theater-regensburg

Grenzen in der Kunst. Tschechische Kunst in drei Generationen

Neue Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie ab dem 21. Mai.

Die Ausstellung „Grenzen in der Kunst – Tschechische Kunst in drei Generationen“ ist für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 15. August 2021 geplant. Aktuelle Informationen zur Öffnung des Museums vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sind auf der Website des Kunstforums Ostdeutsche Galerie unter www.kunstforum.net zu finden.

Ab dem 21. Mai ist im Kunstform Ostdeutsche Galerie Regensburg eine neue Ausstellung zu sehen. Unter dem Titel „Grenzen in der Kunst“ zeigt sie, wie geografische, gesellschaftliche und politische Grenzen in der bildenden Kunst zum Ausdruck kommen. Im Mittelpunkt stehen exemplarisch drei Künstlerpositionen, die tschechische Kunst in drei Generationen repräsentieren: Toyen, Magdalena Jetelová und Krištof Kintera. Die Ausstellung knüpft gedanklich an die Arbeit eines interdisziplinären Forschungsverbunds an, der sich mit dem Thema „Grenze“ in Bezug auf die Erinnerungskulturen zwischen Tschechien und Bayern beschäftigt hat.

Das künstlerische Schaffen des 20./21. Jahrhunderts in der Tschechoslowakei bzw. in Tschechien entstand unter verschiedenen politischen Voraussetzungen. Die Geschichte des Landes war von historischen Einschnitten geprägt, die mit Veränderungen von geografischen, gesellschaftlichen und politischen „Grenzen“ einhergingen: Mit der Gründung der Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg wurden Grenzen neu definiert. Bei der Besetzung durch die Nationalsozialisten knapp vor dem Beginn sowie während des Zweiten Weltkrieges kam es zum gewaltsamen Überschreiten der Grenzen. Nach dem Machtantritt der Kommunisten verfestigten sich schließlich die Grenzen in dem scheinbar unüberwindbaren Eisernen Vorhang verbunden mit vielfachen Freiheitseinschränkungen. Die Ausstellung beleuchtet zum einen, inwiefern Kunstschaffende auf politische Ereignisse und auf mögliche Beschränkungen reagieren. Zum anderen zeigt sie, welche Einflüsse sie verarbeiten und welche Bildsprache sie entwickeln. Die exemplarisch ausgewählten Künstlerinnen und der Künstler decken in drei Generationen die Zeit seit den 1920er Jahren bis heute ab. Sie nutzen vielfältige Medien von der Malerei und Grafik, über die Fotografie bis hin zu kinetischen Objekten. Und auch ihre künstlerischen Konzepte und die Themen ihrer Werke unterscheiden sich voneinander.

Toyen (1902–1980) ist eine Künstlerin, die zwischen Prag und Paris eine poetisch-abstrakte Bildsprache entwickelte. Während sie den Zweiten Weltkrieg in Prag erlebte, floh sie kurz vor der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahr 1947 nach Paris, wo sie bereits zwischen 1925 und 1929 gelebt hatte. Gemeinsam mit dem Künstler Jindřich Štyrský (1899–1942) entwickelte sie den Artifizialismus, einen eigenständigen Gegenpol zum Surrealismus. Magdalena Jetelová (*1946), die sich in ihren Installationen und Fotografien mit räumlichen Widersprüchen auseinandersetzt, ist die zweite Position der Ausstellung. Sie emigrierte 1985 aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Aus dem Klima der politischen Unterdrückung der 1970er und 1980er Jahre heraus schuf Jetelová Kunst, die diese Unfreiheit thematisiert und vor totalitären Regimen warnt. In Deutschland und auf ihren Reisen widmet sie sich seither zunehmend universellen Themen, wobei das Phänomen der Grenze eine zentrale inhaltliche Konstante ihres Schaffens bleibt. Krištof Kintera (*1973) ist in der Zeit nach dem Ende der totalen Abschottung 1989, die eine Öffnung der Grenze Richtung Westen brachte, künstlerisch in Prag tätig. Indem er Alltagsgegenstände isoliert und sie in einem neuen Kontext, mitunter animiert mit Ton und Bewegung, wieder zusammenführt, äußert er sich kritisch zur aktuellen politischen Situation in Tschechien.

Der Bogen der ausgestellten Werke spannt sich von den 1920er-Jahren bis 2019 über drei Generationen, politische Veränderungen und Ländergrenzen hinweg. Konzipiert wurde die Ausstellung von Agnes Tieze, die damit eine Anregung des Forschungsverbunds „Grenze/n in nationalen und transnationalen Erinnerungskulturen zwischen Tschechien und Bayern“ aufgegriffen hat. Der interdisziplinäre Forschungsverbund wird von den Universitäten Regensburg und Passau, der Karls-Universität Prag, der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität in Ústí nad Labem und dem Adalbert Stifter Verein München getragen. Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog, herausgegeben von Agnes Tieze und Marek Nekula mit Beiträgen der beiden Herausgeber sowie von Miroslav Petříček, Jindřich Toman und Otto Urban.

Die Ausstellung „Grenzen in der Kunst – Tschechische Kunst in drei Generationen“ ist für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 15. August 2021 geplant. Aktuelle Informationen zur Öffnung des Museums vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sind auf der Website des Kunstforums Ostdeutsche Galerie unter www.kunstforum.net zu finden.

 

Share on facebook
Share on twitter