altemaelze

Perlentaucher

Claudia Koreck

Manchmal passieren die Dinge einfach. Nachdem Claudia Koreck zehn selbstgeschriebene Alben veröffentlicht hat, war es für die Singer/Songwriterin an der Zeit, einmal in die Kunst der Anderen einzutauchen.

Nachdem Corona Künstlern einen großen Teil ihres Lebenselexirs raubt, nämlich das Spielen vor Publikum, nehmen es viele Künstler zum Anlass und veröffentlichen halt dafür dann ein neues Album. So auch Claudia Koreck, die nicht mal ein Jahr nach ihrem letzten Longplayer „Auf die Freiheit“ mit „Perlentaucherin“ ihr eigenes, ganz persönliches Coveralbum am 7. Mai in Gänze der Öffentlichkeit zugänglich macht. Geboren wurde die Idee nach den umwerfenden Resonanzen auf ihr Cover des Nena-Songs „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ für die TV Serie „Der Bergdoktor“. Nach und nach erblickten dann weitere elf Coversongs der deutschen (+ österreichischen) Schlager-, Pop- und Rockwelt der letzten 40 Jahre das Licht. Allen gemein ist das Reduzierte und Fokussierte auf die glockenklare Stimme von Claudia, die hier erstmalig auch von ihrer sonst üblichen Gewohnheit abweicht und die Songs alle in hochdeutsch  interpretiert und sie sich zu eigen macht. Herausgekommen sind ganz intime, vorwiegend leise, sehr sparsam instrumentierte (mal bisschen Gitarre, hier ein Piano, da Geige oder Streicher, etwas Schlagzeug, das alles – bis auf die Streicher –  gespielt von ihrem Mann, dem Multiinstrumentalisten Gunnar Graewert, und Claudia) toll produzierte Perlen, die sogar mir altem Metalfan durchgehend zusagen. Ich mochte z. B. „Ein Kompliment“ ja nie, weil der gute Peter Brugger nicht singen kann. Aber die Version hier verdient einfach ein Kompliment. Genauso geht es mir mit „Ohne Dich“, im Original von Rammstein, und auch keine Band, die zu meinem Favoritenkreis gehört. Meine persönlichen Highlights sind „Du trägst keine Liebe in dir“, der leider heute vergessenen Band Echt und „Mensch“ von Herbert Grönemeyer mit den Streichern usw. – wunderschön! Warum Claudia die Songs hier ausgewählt hat – durch die Bank eher selten bis nie gecoverte Lieder – kann man auf ihrer Facebook Seite nachlesen. Es empfiehlt sich. Und „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten hat auch heute seine politische Bedeutung nicht verloren und ist aktueller denn je. Bei YouTube kann man sich vorab schon mal die Nena-, Sportis- und Rammstein-Songs im offiziellen Channel anhören und sich einen Eindruck verschaffen, wie sich das dann so anhört. Es ist kein Album zum Party machen, sondern eher eins für die Couch mit einem Glas Rotwein in der Hand, zum leise genießen wie Claudia mir neulich schrieb. Genauso ist es. Und wenn dann auch noch sehr eher ungewöhnliche Lieder wie z. B. „Ich will alles“ von Gitte (der einzige Song, den ich nicht mehr kannte) oder „Gute Nacht Freunde“ von Reinhard Mey gewählt werden, dann kann man nur ins Schwärmen kommen und einem Coveralbum auch mal seinen Segen geben in Form von sieben Punkten, auch wenn man sie genauso wie Live Album eigentlich nicht benoten sollte. Sonst gibt es meistens ja immer nur das Altbekannte zu hören. Einzig schade ist, dass das Album nur 38 Minuten lang ist. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Der Fan kauft es eh und entdeckt ja dadurch vielleicht noch „neue“ Musik für sich. (Electrola/ Universal Music) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

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