altemaelze

Deadlight

Liar Thief Bandit

Wer also meint, er hat noch Platz zwischen DAD, The Offspring und Thin Lizzy auf dem Downloaddevice, im CD-Regal oder im Plattenschrank (ja, das Album kommt auch als Vinyl auf den Markt), der soll ruhig mal reinhören. Es lohnt sich.

Flüssige Soli, griffige Rhythmen, Refrains zum Mitsingen und Melodien, die man irgendwo schon mal gehört zu haben meint: die Songs von “Liar Thief Bandit” bedienen die ganze Liste dessen, was im Rock seit den 70er Jahren funktioniert hat. Mitte der 2010er zogen die Schweden in die Welt, um “die Flamme all dessen, woraus  die reinste Form des Rock`n Roll bestanden hat, besteht und immer bestehen wird” weiter in die Welt zu tragen. Diese Selbstbeschreibung ist Programm und erinnert daran, als Mitte der 00er Jahre The Darkness aus England mit demselben Konzept sehr erfolgreich antraten, dem Rock eine Frischzellenkur zu verpassen. The Darkness hatten allerdings etwas, was “Liar Thief Bandit” vermissen lassen – ein Alleinstellungsmerkmal: Justin Hawkins` hysterisch-überzogene Vocals und Bühnenperformance verliehen den Shows eine sarkastische Komponente, die aber so inszeniert daher kam, dass sie kein Mensch als zufällig oder einen Unfall in der Lage war zu interpretieren. Dagegen wirken Liar Thief Bandit auch auf dem neuen Album “Deadlights” wieder wie die soliden Handwerker, die man gerne ruft, wenn es einen Job zu erledigen gibt. Opener wurde der Titeltrack, ein Reisser mit ausgiebiger Gitarrenarbeit und in-your-face Uptempo. Vielleicht nicht die beste Nummer des Albums, aber dafür eine, die gleich klarstellt, wo es lang geht. Wesentlich differenzierter wird es dann bei “Brand New Day”, mein persönlicher Favorit und Anspieltip. Eine Art grooviger KISS-Nummer, wozu auch der Mix und die Intonisation der Vocals das Ihre beitragen. In der Folge wird es über weite Strecken grunge-punkig, immer mit Blick auf Mitsingpotential und knackige Melodiestruktur. Liar Thief Bandit marschieren erhobenen Hauptes und ihrer Mission überzeugt bis zum Ende eines perfekt produzierten, gut gemachten Albums durch. In Zeiten, in denen die Musik international von einigen wenigen Komponisten und Produzenten dominiert wird, muss man sich über Bands freuen, die so offensichtlich ihren Spass an der eigenen Sache haben wie hier. Es wäre zu einfach, zu kritisieren, dass es stilmässig nichts Neues zu hören gibt. Aber das wäre ungerecht. Auch Greta Van Fleet haben sich trotz ihrer frechen Anlehnung an Led Zeppelin in der Zwischenzeit einen festen Stamm an jungen wie alten Rockfans erkämpft. Old school – mit vielen Liveauftritten. Bei Liar Thief Bandit liegt die Sache genauso. Wer also meint, er hat noch Platz zwischen DAD, The Offspring und Thin Lizzy auf dem Downloaddevice, im CD-Regal oder im Plattenschrank (ja, das Album kommt auch als Vinyl auf den Markt), der soll ruhig mal reinhören. Es lohnt sich. (The Sign Records/Plastic Head) CaSa

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