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Tough it out – live

FM

Aufgenommen während ihrer 2019er Tour durch England und Deutschland bietet es schön unterteilt auf CD 1 das komplette Album, während es auf die zweite CD Songs geschafft haben, die die Band selten live spielt und einen kleinen Querschnitt aus dem kompletten Werk der Band zumindest bis 2015 bietet.

Die britische Rockband FM, die nun auch schon ihr 35jähriges Bestehen feiern konnte, veröffentliche kürzlich zum 30. Jubiläum ihres zweiten Longplayers „Tough it out – live“ ihr gleichnamiges viertes Livealbum. Aufgenommen während ihrer 2019er Tour durch England und Deutschland bietet es schön unterteilt auf CD 1 das komplette Album, während es auf die zweite CD Songs geschafft haben, die die Band selten live spielt (kann es nicht überprüfen, aber der Promozettel sagt es aus) und einen kleinen Querschnitt aus dem kompletten Werk der Band zumindest bis 2015 bietet. Leider wurde vom Debüt von 1986 nichts ausgewählt. Aber man kann nicht alles haben. Die Produktion ist klasse, die Band (immerhin noch immer mit drei Originalmitgliedern an Bord und bei den europäischen Dates sogar Urkeyboarder Didge Digital) spielt auf höchstem Niveau und Sänger Steve Overland merkt man seine 61 Jahre ja mal so gar nicht an. Er ist top bei Stimme und gibt den Crooner genauso wie den härteren Rocker und erinnert hier immer wieder auch ein ums andere Mal an Danny Bowes von Thunder. Ich konnte mich davon ja selbst Ende 2019 im Airport im Vorprogramm von Skid Row davon überzeugen.  Das Album ist angenehm Balladenfrei, wobei die Musik an sich ja nun schon nicht wirklich hart ist. Wer mit viel Keyboards (und zwar richtig viel) nichts anfangen kann, sollte hier dann aufhören zu lesen. Der Rest erfreut sich an einer schönen Mischung aus AOR/Melodicrock und auf der härteren zweiten CD auch an Hardrock der Güteklasse spätere Thunder, Foreigner um die Zeit von „Agent Provocateur“ und Def Leppard zwischen „Pyromania“ und „Animaliize“. Bei „Does it feel like Love“ (CD1 Track #11) schaut mal kurz die Band Survivor vorbei. Der Song könnte auch auf deren „Too hot to sleep“ stehen. Die Gitarrensoli von Jim Kirkpatrick sind in der Regel eher kurz und songdienlich gehalten. Kleine Ausnahme auf CD 1 „Burning my heart down“, dafür darf er dann auf CD 2 öfter mal zeigen was er an der Axt so drauf hat und auch mal längere Soli zum Besten geben (Tracks #4, #6 und #9). Herausstechen natürlich die beiden Singles „Bad Luck“ und Tough it out“, wo dann auch der Bass mal sehr prominent im Mix ist. Balladeskes Liedgut bieten „Everytime I think of you“ bzw. „Blood and Gasoline” mit Slide und Akkustikgitarrenbeginn und Ende. Ansagen von Sänger Steve sind eher knapp, die Reaktionen vom Publikum (hört sich eher nach kleinerer Crowd an) dafür umso hörbarer, wenn begeistert mitgesungen wird (man höre „Only the strong survive“). Aus dem Rahmen fallen hier das sehr ungewöhnliche „Hard Day in Hell“, das mit den ersten knapp drei Minuten nur mit Piano und Gesang eher an Billy Joel erinnert, nur um ab dann mit Einsetzen der Band in einen Gary Moore-Bluesrocksong a la „Cold Day in Hell“ inklusive Saxonphonsolo überzugehen. Der andere ist das wirklich gelungene Marvin Gaye-Cover „I heard it through the Grapevine“ als Abschluss des Albums, das bluesig, soulig, rockig gespielt und grandios gesungen mit viel Gebläse und ausgedehnte Gitarresoli einen krönenden Abschluss bildet. Sechs Punkte gibt es für das alles von meiner Seite. Die Höchstpunktzahl verhindern das Fehlen einer BluRay (wohl mangels eines durchgehenden Konzerts), das Zusammenbasteln aus unterschiedlichen Ländern und Auftritten, das man auf der zweiten CD ab und zu beim Überblenden der Songs merkt und natürlich das Fehlen der zwei „Indiscreet“-Hits „That Girl“ und „Other side of Midnight“, die man vielleicht noch als Zugabe mit bringen hätte können. Andererseits gibt es eh schon 114 Minute bestes Futter für die Ohren und wir auf dem Festland kamen nochmal in den Genuss, den Originalkeyboarder und Saxophonspieler Didge Digital zu sehen/hören. (Frontiers) HJH

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