altemaelze

Heile Welt

Hannes Ringlstetter

In seinem neuesten Album zeigt uns Hannes Ringlstetter eine „Heile Welt“, die kein falsches Idyll ist, sondern das kurze Aufblitzen einer Utopie im stürmischen Alltag. Und davon weiß Ringlstetter zu erzählen, mit einer Sprache, die schlicht, nah, groß den Kern der Dinge freilegt.

Die heile Welt ist für viele nicht nur dank des kleinen, aus einer frisch zubereiteten Fledermaus entschlüpften Virus ins Schwanken bekommen. Jemand, der es seit geraumer Zeit beherrscht wie kein Zweiter, mit einfahen Worten an der Realität zu rütteln oder diese mit ein paar Zoten ins rechte Licht zu rücken, ist Hannes Ringlstetter. Mit einer Sprache, die den Kern der Dinge freilegt, und dem Witz, den es braucht, um das echte Leben auszuhalten, schildert der mittlerweile zum Schauspieler, Talkshow-Moderator und Buch-Autor gewachsene Songschreiber und Sänger seine Sicht der Dinge. Dabei kommen Kritik an der Wohlstandsgesellschaft („Heile Welt“) und Kaufsucht („Logistiksymphonie“) genauso wenig zu kurz wie Oden über das Warten auf die echte Liebe („Julinacht“) und über deren Langlebigkeit („Bleiben“). Das bayerische Pendant zu Paolo Conte schafft es auf Albumläng, mit seiner Stimme so knarzend wie krumme Wirtshausdielen zur Sperrstunde, so manche aufgewärmte Floskel mit geschickten textlichen Hakenschlägen aus dem Kontext zu hebeln und damit zum Nachdenken anzuregen. Meint er das jetzt wirklich so? Ja, alles offen wie die Genre-Schubladen, durch die er mit seiner immer wieder großartigen Band im Rücken durch sämtliche Genres vom Landler bis Ska wildert. Und was für eine geile Idee, als Bonus ein Lied vom Konzert, aus dem Hotel und von der Heimfahrt nach dem Gig auf Band zu vertonen. Wahnsinns-Wahnsinnsplatte! Echt wahr! (F.A.M.E. Recordings) H1

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