altemaelze

Course In Fable

Ryley Walker

Mit diesem Album ist ihm wieder ein großer Wurf gelungen!

Meister Walker wohnt derzeit in New York City. Jedoch ist sein neuestes Album im Geiste eine Chicago-Platte, denn es schöpft aus dem tiefen Brunnen der fruchtbaren 90er-Jahre-Szene dieser Stadt, als Bands wie TORTOISE, THE SEA AND CAKE und GASTR DEL SOL den Underground neu formten, indem sie Indie-Rock, Jazz, Prog und mehr mischten und kombinierten. Obwohl er zunächst als Folk-Rock-Troubadour auftrat, wurden seine Alben zunehmend komplexer. Mitunter driftete er in arg depressiv anmutende, geradezu grungige folkpsychedelische Gefilde ab; das war mir dann schon etwas zu schwer verdaulich. Da baut mich sein aktuelles Werk doch deutlich mehr auf. Die Songs von „Course In Fable“ sind verschlungene, labyrinthische Gebilde, vollgestopft mit Ideen (Walker nennt es halb scherzhaft seine „Prog-Platte“). Aber egal wie komplex es wird, das Album ist nie überwältigend hektisch. Verspielte Gitarrenlicks verschmelzen mit herrlichen Streichern (arrangiert von Douglas Jenkins vom PORTLAND CELLO PROJECT). Knifflige Taktarten gibt es zuhauf, aber sie fühlen sich so natürlich an wie nur möglich. Die Songstrukturen bzw. Melodien mäandern oft in unerwartete Richtungen, bleiben aber ausgesprochen harmonisch. Wie bei Walkers geliebten GENESIS ist das Pop-Element nie zu weit von der Oberfläche entfernt, selbst wenn es schräg wird.

Wenn man sich das komplexe Zusammenspiel zwischen Walker und seinen Mit-Musikern anhört, könnte man meinen, sie hätten ein Jahr damit verbracht, die Songs von „Course In Fable“ auf der Straße zu testen. Aber es kam alles relativ schnell zusammen, dank Demos, Proben und der Art von musikalischem Einfühlungsvermögen, das durch jahrelanges Zusammenspiel entsteht. Sogar eine Dosis guter Laune erlaubt er sich, wenn er z.B. „Fuck me, I’m alive“ singt! Ein Moment des Unglaubens und der puren Freude zugleich. Ryley Walker hat seine Alben in den letzten zehn Jahren auf einem Who’s-Who der Independent-Labels veröffentlicht – darunter Tompkins Square, Dead Oceans, Thrill Jockey und Drag City. Dieses Mal veröffentlicht er sein „Course In Fable“ auf seinem eigenen Husky Pants Label. Mit diesem Album ist ihm wieder ein großer Wurf gelungen; es hat gute Chancen meine Lieblingsscheibe von ihm zu werden. (Husky Pants) HuGe

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

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