altemaelze

Anarchisten auf der Autobahn, Taoisten unterm Birnbaum

Christian Bogensberger

Das ist fürwahr keine leichte Kost, es ist eine Scheibe für Sprachgourmets und Freunde schräger Liedermacherkunst.

Der Christian erzählt gerne vogelwilde Geschichten und lässt seine Gedanken singen, tanzen und Bocksprünge machen. Dies tut er mittels selbst geschriebener Songs, dargebracht im österreichischen Hochdeutsch, unterlegt mit akustischer Gitarre. Er entführt uns liedpoetisch und alltagsphilosophisch in die Genüsse und Wirrnisse des Daseins. Dabei nimmt er sich kein Blatt vor dem Mund und kennt weder sprachliche noch gedankliche Tabus. Da heißt schon mal ein Lied: „Komm, kiff mit mir“ und „Dämonenaustreibung um Mitternacht“. Hat der Mann die legendären WITTHÜSER & WESTRUPP gehört? Auf jeden Fall auch Ingo Insterburg („Isst Merkel gerne Ferkel?“). Hier geht es nicht um Stimmgewalt oder Gesangskunst, oft genug serviert er seine Inhalte per Sprechgesang. Es geht um das Sich-Einlassen auf die – mitunter bizarren – Texte bzw. Inhalte. Mit kammermusikalisch bis sphärisch farbigen Arrangements, die an Konstantin Weckers legendäres Team Musikon erinnern, tauchen wir mit diesem (wie er sich selbst beschreibt) Anarchistoiden Taoisten ein in den Raum zwischen Leben und Tod, ins Land der tausend Obstbäume, in den Rachen der Traumfabrik, und in weitere Möglichkeiten des Realen bis Absurden, die doch nichts anderes sein können als verborgene Spiegelungen unserer Seelen. Ok, so originell sprachoffensiv wie liedkünstlerisch ist noch kaum jemand in die Popgeschichte gesprungen. Das ist fürwahr keine leichte Kost, es ist eine Scheibe für Sprachgourmets und Freunde schräger Liedermacherkunst. Ist es Musik?, Literatur?, Kabarett? Oder Musiktheater? Entscheidet selbst. (Sturm und Klang) HuGe

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