altemaelze

Fram

Trio Elf

„Fram“ ist die logische Weiterentwicklung von „Music Box Music“ und zeigt auf faszinierende Weise, wie drei Individuen zu einer Einheit zusammenschmelzen, wie drei Musiker gleichzeitig im Vordergrund agieren, sich der Musik mit Leidenschaft hingeben, gegenseitig hochschaukeln, Spannung und Höhepunkte aufbauen.

Es war vorletzten Sommer am Regensburger Jazz-Weekend, als ich Trio Elf zuletzt live in Aktion sah und hörte. Für mich wieder ein beeindruckendes Ereignis, konnte ich ihren nächsten Auftritt auf dem Jazz-Weekend kaum erwarten. Doch dazu kam es nicht. Seitdem ist eine immens lange Zeit vergangen, in der kaum Jazz-Konzerte im Leeren Beutel oder das alljährliche Jazzfestival in gehabter Form stattfinden konnten. Traurig gestimmt über diesen Zustand, ist mir jedoch vor längerer Zeit eingefallen, dass Trio Elf an jenem besagten Sommertag während ihres Konzertes ein neues Album ankündigten, das bereits in Arbeit sei. Nun wieder besser gelaunt und mit Zuversicht erfüllt, wartete ich mehr oder weniger geduldig auf das neue Album, das genau vor zwei Tagen, am 26. März unter dem Titel „Fram“ veröffentlicht wurde. Und wahrlich, das lange Warten hatte sich mehr als gelohnt! „Fram“ enthält, passend zum Namen der Urheber, elf ausdrucksstarke, eigenständige und vielgestaltige Kompositionen, hauptsächlich aus der Feder von Walter Lang. Musikalisch gesehen knüpfen Walter Lang (Piano), Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug) und Sebastian Gieck (Bass) damit meiner Meinung nach direkt an ihr vorletztes Werk „Music Box Music“ an. Konzeption und Struktur der Stücke von „Fram“ erinnern stark an diesen Vorgänger, bilden den Ausgangspunkt für das neue Werk. „Fram“ ist damit die logische Weiterentwicklung von „Music Box Music“ und zeigt auf faszinierende Weise, wie drei Individuen zu einer Einheit zusammenschmelzen, wie drei Musiker gleichzeitig im Vordergrund agieren, sich der Musik mit Leidenschaft hingeben, gegenseitig hochschaukeln, Spannung und Höhepunkte aufbauen. Es ist wohl auch das Erzeugen von träumerischen und durchaus expressiven Klangwelten, aber auch das Evozieren von unterschiedlichsten Stimmungen, die sich nicht selten während des Stückes transformieren, die den Hörer sofort zu einer Klangreise einladen. Es ist so, als wollten Trio Elf auf „Fram“ mithilfe musikalischer Mittel Geschichten erzählen, Geschichten mit unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Intensität. Dabei bleiben die drei Musiker ihrer klanglichen Linie treu, wobei die Klangmanipulation mittels Elektronik hier eine geringere Rolle als bei den Vorgängern spielt. Dafür sind repetitive Elemente, die manchmal sogar monoton oder robotermäßig anmuten, wenn von Gerwin Eisenhauer auf dem Schlagzeug ausgeführt, genauso markant und prägend vorzufinden. Paradebeispiel dafür und insgesamt mein Favorit ist „Addicted“, wo Piano, Schlagzeug und Kontrabass gemeinsam zu Beginn in ein repetitives Muster verfallen und auch die Klangmanipulation gut zu hören ist. Rhythmische Repetition, ein beschränktes melodisches Grundmaterial im Thema und ein sehr präsentes Bassspiel sind der Ausganspunkt, worauf Trio Elf ihre Kompositionen aufbauen und damit unglaublich Vielfältiges schaffen. Die dabei erzeugte musikalische Wirkungskraft und die klanglichen Freudensausbrüche, zu denen die Stücke im Verlauf tendieren, würden sich sicherlich erst voll in einem Konzert entfalten. So kann ich nur hoffen, die neuen Stücke von „Fram“ im Sommer live in Aktion zu hören. Bis dahin wird „Fram“ mein kleiner Lichtblick in einer gerade trüben Zeit bleiben. (Yellowbird Records) NiKu

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