altemaelze

Alles auf Null

Marathonmann

Im Laufe des Sommers 2020 spielte die Combo unter dem Motto „Alles auf Null“ pandemiegerechte Unplugged-Konzerte, die eine derart große Wirkung auf Publikum und Band entwickelten, dass sich im Nachhinein schwer sagen lässt, wer da wem einen Lichtblick in einer schwierigen Zeit beschert hat. Da diese Zeit aber noch nicht vorüber ist, ist dieser Lichtblick nun auf Platte erscheinen.

2020 war für keine Band ein einfaches Jahr, für die deutschsprachigen Münchner Post-Punks von Marathonmanm. Die haben das Beste draus gemacht und einige wenige bestuhlte Konzerte gespielt, auf denen sie ihre Songs im Akustik-Gewand und Streicher-Begleitung neu interpretiert haben. „Ich meine, das hat doch schon was, eine Live-Platte aus einem Jahr zu veröffentlichen, in dem Konzerte eigentlich nicht stattgefunden haben“, freut sich Michi Lettner, ihr Frontmann. Im Laufe des Sommers 2020 spielte die Combo unter dem Motto „Alles auf Null“ pandemiegerechte Unplugged-Konzerte, die eine derart große Wirkung auf Publikum und Band entwickelten, dass sich im Nachhinein schwer sagen lässt, wer da wem einen Lichtblick in einer schwierigen Zeit beschert hat. Da diese Zeit aber noch nicht vorüber ist, soll dieser Lichtblick nun auf Platte erscheinen. Wer könnte ihn nicht – nach wie vor – dringend gebrauchen? Eigentlich hätten Marathonmann ihr Erfolgsalbum „Die Angst sitzt neben dir“, 2019 erschienen, im letzten Jahr zu allerhand Anlässen mit auf Reisen genommen und sich gemeinsam mit dem Publikum, in verschwitzten Clubs oder auf ekstatischen Festivals, die Seele aus dem Leib gesungen. Aber natürlich wurde auch ihnen im März, gerade mitten auf Tour, der Stecker gezogen. Noch während des ersten Lockdowns entstand dann die Idee, den sprichwörtlich gezogenen Stecker wörtlich zu nehmen. „Als Johnny und ich uns unterhielten, meinten wir beide, dass es doch super für unsere Fans wäre, wenn wir ein paar Songs auf zwei Akustikgitarren performen. Also haben wir uns mit Abstand im Proberaum getroffen und einfach mal ein paar Sachen aufgenommen, die wir dann nach und nach veröffentlicht haben. Das Konzept kam so gut an, dass wir es noch weiter ausarbeiten wollten“, berichtet Lettner. Gestiegene Ambitionen schön und gut, allerdings war man an dieser Stelle, mit der üblichen Punk-Besetzung deren Grenzen angekommen. „Schnell stellten wir fest, dass wir ein paar Zusatzinstrumente brauchten. Somit kam Saskia an der Geige dazu und Johnny ist aufs Klavier umgestiegen. Ich war ja eh schon vom Bass an die Akustikgitarre gewechselt und somit war unsere Akustikband geboren. Bei den letzten Shows im Sommer war dann auch noch Elisa am Cello mit dabei. Es war ein tolles Gefühl, mit so lieben und talentierten Menschen Musik zu machen.“
Anstatt aber nur die elektrischen Gitarren gegen akustische zu tauschen und alles ein wenig gedämpfter zu performen, hatte die Band jetzt die Gelegenheit und den Willen, mit einem gestiegenen Anspruch an das Unplugged-Konzept heranzugehen: „Die größte Herausforderung für uns war, die Songs nicht einfach nur ohne Strom zu spielen, sondern sie in ein komplett neues Gewand zu hüllen.  Natürlich war Saskia dabei eine sehr große Hilfe, wie auch unser Johnny, der mit dem Klavier viele neue Facetten hinzufügen konnte. Dabei sind viele Sachen herausgekommen, die für Marathonmann eher untypisch klingen. Wir waren selbst überrascht.“
Nun sind Münchner aber immer noch eine Band, die vom Herz und nicht vom Kopf getrieben ist. Lettner unterstreicht, dass sich alles sehr natürlich geformt hat: „Wir haben einfach immer drauf losgespielt und uns leiten lassen. Es war wirklich erstaunlich, wie gut alles geklappt hat und wie wohl wir uns damit fühlten. Songs wie ‚Hinter den Spiegeln‘ oder ‚Wo ein Versprechen noch was wert ist‘ entfalten sich komplett neu und betonen noch mehr die Lyrics.“

Als Marathonmann schließlich mit ihrem neuen, Corona-konformen Konzept wieder Shows spielten, poppten nicht nur immer wieder neue Daten auf, so richtig wurde der Band erst vor Ort bewusst, welche Möglichkeit sie sich hier erschlossen hatte und wie bewegend ein Konzert inmitten der Pandemie sein kann: „Die Reaktionen waren ergreifend und haben wirklich gutgetan. Wir hatten einen riesen Spaß mit den Leuten, gleichzeitig war es aber auch so nah und emotional“, erinnert sich Lettner. Nach dem Sommer galt es dann, die Erinnerung für die Fans und sich zu konservieren. „Wir wollten, dass das Ganze im Anschluss nicht einfach wieder in Vergessenheit gerät und hatten deshalb bereits jede Show mitgeschnitten. Da wir mit den Aufnahmen überaus zufrieden waren, dachten wir, dass eine Live-Platte mal was Großartiges wäre.“ Sowieso stand die Vision von einem eigenen Unplugged-Album nicht erst seit gestern im Raum: „Ich persönlich habe mich sehr an dem AkustikAlbum der Foo Fighters, ‚Skin And Bones‘ von 2006, orientiert. Das ist so locker und ehrlich“, schwärmt der Frontmann.

Nicht zuletzt das Artwork zu „Alles auf Null“ baut eine Brücke zwischen den Marathonmann, die man kennt und einem Jahr, das uns für immer im Gedächtnis bleiben wird. Einmal mehr hat Lettner dafür, wie auch schon für das aktuelle Studioalbum, die eigenen Familienarchive durchforstet: „Mit dem Artwork wollten wir an unsere letzte Platte anknüpfen. Das Cover-Foto stammt erneut aus meiner Familiensammlung und zeigt meine Urgroßmutter. Ich finde das Foto strahlt eine ganz besondere Ruhe aus und eine gewisse Nachdenklichkeit. Irgendwie fasst dieses Foto 2020 für mich gut zusammen. Diese Entschleunigung, dieses in sich gehen, dieses Licht in der Dunkelheit.“  Zum Release dieses Album wird ein ein Konzert geben, allerdings ohne Besucher. Die Band kündigt ein Live-Stream Konzert am Release-Tag des Albums an! Ihre Show aus dem Z-Bau in Nürnberg wird am 9. April um 20 Uhr über den Youtube Kanal von Redfield Records kostenlos gestreamt werden. (Redfield Records) P.Ro

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