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Tokyo Jukebox 3

Marty Friedman

Ein fast perfektes Album, und klare Kaufempfehlung für alle, die auf derartige Musik stehen!

Gitarrist Marty Friedman veröffentlicht Mitte April sein neues Solo-Album „Tokyo Jukebox 3“. Wie es der Name bereits sagt, handelt es sich hier um die dritte CD mit Coversongs von japanischen J-Pop Stars, aber schließlich lebt er seit Jahren in Japan. Dazu Friedman:“Ich habe das Material der ersten beiden ‘Jukebox’-Alben auf der ganzen Welt live gespielt, und es hat eine Art Eigenleben entwickelt, vor allem an Orten wie Nord- und Südamerika, Australien, Italien, Frankreich und sogar Indien. Meine Fangemeinde ist sehr engagiert, und ich habe festgestellt, dass viele neue Fans durch mich in die japanische Musik und Kultur eingeführt wurden, was sehr erfreulich ist. Auf den Tourneen scheint es so, als ob neben den Gitarrenfans auch die Japan-Fanatiker merklich gewachsen sind. Es schien also der richtige Zeitpunkt für “Tokyo Jukebox 3” zu sein. Es gibt auch einen zweiten Grund das Album jetzt zu veröffentlichen. Ich bin in den letzten vier Jahren bei der Eröffnungsfeier des Tokio-Marathons aufgetreten und habe gehofft, etwas Ähnliches für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 machen zu können, bevor sie auf 2021 verschoben wurden. Ich wurde bereits gebucht, um beim Marathon im nächsten Jahr wieder zu spielen, und mit etwas Glück hoffe ich immer noch, dass ich das Gleiche bei den verschobenen Olympischen Spielen tun kann, also wollte ich eine Auswahl von Songs zusammenstellen, die jeden, besonders die Athleten, auf eine Art und Weise anfeuern, wie es nur Musik kann.” Mangels Kenntnis der hier gecoverten Interpreten (mir sind hier nur Künsterlinnen wie Ayumi Hamasaki, Kumi Koda, Gackt, BoA (die aus Südkorea kommt), L’Arc en Ciel oder auch X-Japan ein Begriff) kann ich nichts über die Qualität an sich sagen, wie gut sie gecovert sind.

Friedman erläutert dazu: “In Japan muss man die Erlaubnis für die Aufnahme und Veröffentlichung von Coverversionen einholen, und das kann ein sehr kniffliger und langer Prozess sein. Das Letzte, was ich tun wollte, war, um die Erlaubnis für einen Song zu bitten, die Erlaubnis zu bekommen und ihn dann aus irgendeinem Grund nicht aufzunehmen. Das wäre sehr unhöflich. Also habe ich mehrere Wochen damit verbracht, Songs auszuwählen und sie zu demontieren, um zu sehen, ob ich Versionen erstellen kann, die mich begeistern können, bevor ich überhaupt an irgendwelche Verlage herantrete. Ich kam auf eine kurze Liste von 20 Songs und wählte daraus etwa 15 aus, von denen ich wusste, dass ich mit ihnen wirklich punkten konnte, und machte mich dann daran, die Erlaubnis für die Aufnahmen einzuholen.” Zudem sind alle Songs bis auf einen ohne Gesang. Das alleine dürfte dann schon ein KO-Kriterium für die Meisten sein. Wer dann mit Shreddergitarren nix anfangen kann sollte hier dann komplett die Finger von dem Album lassen. Marty ist ja hauptsächlich bekannt durch seine Arbeit bei Megadeth oder zu seiner Shrapnel Labelphase Ende 80er/Anfang 90er Jahre als Teil von Cacophony an der Seite von Jason Becker (einem weiteren Shreddermeister). Geboten wird hier Gitarrenkunst auf allerhöchstem Niveau, wo einem die Kinnlade runterklappt, wenn die Finger nur so über die Saiten wuseln. Immer melodisch und perfekt zu den Songs passend. Gerne auch mal hart und sehr heftig wie bei Track #2. Mit Streichern und Keys versehen bei Track #1 „Makenaide“, zu dem es auch ein Video gibt. Friedman spielt alles mit einer eigenen Note, klingt aber ab und zu natürlich auch nach anderen Helden der mehrheitlich instrumentalen Gitarrenmusik, wie bei Song #7 nach Joe Satriani mit dem leicht swingenden Läufen oder das eher bei Zappa bekanntgewordene und später solo verfeinerte Spiel eines Steve Vai bei Track #8. Aus dem Rahmen fallen die Songs #6 „The Perfect World“, das es der einzige Song mit Gesang ist. Hier lässt der mir unbekannte weibliche J-Pop Star Alfakyun ihre liebliche Stimme erklingen und der Song erinnert dann eher an Musik a la Delain, Epica, Amaranthe oder Metalite, ohne die Keyboardspielereien und mit einem viel höheren Gesamtniveau. Der Kommentar von Friedman zu diesem Stück: “2018 habe ich den Song mit Jean-Ken Johnny von Man With A Mission am Gesang gemacht, und das wurde als Hauptthema für die Netflix-Serie ‘B: The Beginning’ verwendet. Am Tag der Veröffentlichung ging der Song direkt an die Spitze der japanischen iTunes-Charts. Leider gab es, wie es manchmal im Musikbusiness passiert, eine plötzliche Personalumstellung beim japanischen Label, wichtige Leute, die an der Platte arbeiteten, verschwanden plötzlich, und als Ergebnis waren der Song und sein ganzer Schwung einfach verschwunden. Das schien mir eine solche Verschwendung zu sein. Also dachte ich, es wäre eine gute Idee, eine neue Version davon zu machen, mit einer frischen Neuinterpretation, und holte Alfakyun (derzeit eine der führenden J-Pop-Sängerinnen) für den Gesang. Es ist wirklich ein Selbst-Cover, also passt es zu der Idee, dass dies ein Cover-Album ist.” Track #10 glänzt durch viel Piano und seine balladeske Ausrichtung und zum Abschluss gibt es dann mit „Japan Heritage Official Theme Song“ noch eine tolle Hymne mit Piano, Keyboards und dem Tokyo Philharmonic Orchestra. Einfach nur Himmlisch. Die Produktion von Jens Borgren ist fett. Der Drummer ein Meister seines Fachs und der Bassist ist im Mix tatsächlich auch zu hören und der Bass fungiert hier als eigenes Instrument. Von seiner Spielweise her erinnert er mich stark an Mark King von Level 42, der auch eine Art Slapbass mit dem Daumen auf den Saiten spielt. Zu diesem Stück hat Friedman diese Anmerkungen: “Ich wurde von der japanischen Regierung gebeten, einen offiziellen Song zu komponieren, der bei von der Regierung gesponserten Veranstaltungen, die das japanische Erbe feiern, gespielt werden soll. Das war eine große Ehre und es war wunderbar, mit einem so renommierten Orchester zu arbeiten, in dem praktischerweise meine Frau Cello spielt. Das war ein wenig anders als ich es gewohnt bin, denn anstatt den Leuten von der Plattenfirma ein fertiges Stück vorzuspielen, musste ich japanischen Regierungsbeamten gegenübertreten. Ich erinnere mich, wie ich in ihre steinernen Gesichter schaute, nachdem sie es gehört hatten, und schwitzte in Erwartung ihrer Reaktion. Zum Glück gefiel ihnen, was ich gemacht hatte. Ich hatte das Gefühl, dass dies ein großartiger, erhebender Weg war, das Album abzuschließen.” Fazit: Sechseinhalb Punkte von meiner Seite, für ein fast perfektes Album, und klare Kaufempfehlung für alle, die auf derartige Musik stehen. (Mascot) HJH

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