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Carter Tanton

Carter Tanton

Keine leichte Kost, aber ein durchaus interessantes Werk für Nicht-Rocker.

Im zarten Alter von 15 Jahren spielte der Sänger, Multiinstrumentalist und Produzent Carter Tanton bereits Shows in den Bars seiner Heimatstadt Baltimore. Nur zwei Jahre später wurde Gary E. Smith auf ihn aufmerksam, der ansonsten bekannt dafür ist, die Pixies entdeckt und produziert zu haben. Im Laufe der Jahre hat Tanton mit zahlreichen Künstlern getourt und aufgenommen, darunter Marissa Nadler, Strand of Oaks, Lower Dens und The War on Drugs. Sein neues Album trägt die Handschrift eines reduzierten und intimen Sounds, der Tantons neuestes Material durchdringt – eine deutliche Abkehr von seinen früheren Soloarbeiten. Aufgenommen mit einem Mikrofon, einer Gitarre und einem Klavier in den leeren Zimmern, Treppenhäusern und Fluren seines Elternhauses in Baltimore öffnet sich Tantons Stimme auf eine Art und Weise, die an seine frühere Band Tulsa erinnert.
Er richtete sich im alten Zimmer seiner Eltern ein, weil es das beste Sonnenlicht und die ruhigste und beste elektrische Erdung hatte. Ein paar Freunde hatten ihm immer wieder gesagt, dass er technische Tricks und Studiogimmicks zurücknehmen und nur Stimme und Gitarre aufnehmen soll. Und siehe da – es erklang von Anfang an pur das vertraute Schallloch seiner Martin D-18 in einem neuen und unerwartet hypnotischen Klang. Nach fast zwei Jahren lustloser Arbeit wurde jeder dieser neun Songs innerhalb eines Tages geschrieben und aufgenommen. Endlich keine (Selbst)Zweifel mehr. „Uneven High Places” war der erste Song, den er in der neuen improvisatorischen Art und Weise aufnahm. Es ist ein deutlicher stilistischer Bruch zu seinem früheren Songwriting, das stark von der Stimmung geprägt ist und nur manchmal in eine Struktur oder einen Hook stolpert. Da gibt es mitunter auch mal Songs, die nur aus Soundkollagen bestehen, was mich nun etwas staunend und weniger zufrieden zurück lässt. Manche Tracks wirken seltsam ungeschliffen, wie vergessene „Outtakes“. Dann wieder faszinieren seine verträumte Stimme, das Slow-Motion der Songs und die Melodiebögen. Keine leichte Kost, aber ein durchaus interessantes Werk für Nicht-Rocker. (Western Vinyl/Cargo) HuGe

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