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Insightout

Martin Kälberer

Kälberer wagt einen tieferen Blick nach innen. Als Möglichkeit der Reduktion, der Konzentration auf das Wesentliche in dieser seltsamen und bedrückenden Zeit der Stille.

Am Anfang war das Jazz-Piano. Frühe Vorbilder waren Herbie Hancock und der – kürzlich leider verstorbene – Keith Jarrett, aber auch George Duke, Lyle Mays und Joe Zawinul. 1994 nahm er seine erste CD unter eigenem Namen auf, aufwändig und detailreich produzierte Weltmusik mit dem Titel „Espaço“. Mit 17 verließ Martin Kälberer die Schule und ging ins Ausland. Nach einem abgebrochenen Jazz-Studium an der Musikhochschule in Graz kehrte Martin Kälberer nach München zurück, wo er bald ein festes Mitglied der Jazzszene wurde. So stand er u. a. gemeinsam mit Wolfgang Schmid, Tony Lakatos, Klaus Doldinger, Johannes Enders oder Costa Lukas auf der Bühne, entdeckte aber auch bald seine Liebe zur brasilianischen Musik und spielte jahrelang in verschiedenen brasilianischen Bands. In den 90ern wurde er zu einem der vielseitigsten Studiomusiker in Süddeutschland und spielte auf über 80 CD- und Studioproduktionen mit.
Seit über zwöf Jahren tourt er nun als kongenialer Partner mit Werner Schmidbauer (siehe auch «Aufgspuit» im BR-Fernsehen mit W. Ambros, W. Niedecken, K. Wecker, Haindling, etc.) und ist ein gefragter Multi-Instrumentalist in vielen anderen Projekten. Seit einigen Jahren ist er auch mit seinem Soloprogramm unterwegs. Mit einer Vielzahl von Instrumenten baut er auf der Bühne Klangwelten auf, teils schwebend und jedem Ton nachlauschend, aber auch sehr rhythmisch – wobei seine Liebe zur brasilianischen und afrikanischen Musik unüberhörbar ist. Nun stellt er seine neue Solo-CD „Insightout“ vor – auf der er wiederum als Multi-Instrumentalist auftritt, z.B. spielt er auch – viel zu selten – das Hang bzw. die Handpan, ein faszinierendes Metallinstrument („klingendes UFO“), das in Kälberers Klangsprache eine immer größere Rolle spielt. Schockiert über den Lockdown und über die Nicht-Kontakt-Möglichkeit zu seinem Klavierstimmer, wagt Kälberer einen tieferen Blick nach innen. Als Möglichkeit der Reduktion, der Konzentration auf das Wesentliche in dieser seltsamen und bedrückenden Zeit der Stille. Martin Kälberer hat ihn gewagt, um von dort aus wieder nach draußen zu schauen und sich ganz neu seiner Sicht auf die Dinge und die Welt bewusst zu werden. Auf CD1 spielt Kälberer die sieben Tracks solo am Klavier, das ist meditativ, beruhigend – aber auch etwas einschläfernd. CD2 enthält mit den drei langen Stücken „Meer“, „Nebel“ und „Farewell“ orchestrierte Einspielungen unter der Beteiligung mehrerer Instrumente, z.B. erklingen Oboe, Violinen, Flöten etc.; da wird „Insightout“ vielfältiger und spannend(er). (Jazzhaus Records/Inakustik) HuGe

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