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I Drive

I Drive

"From the Vaults"
Für den März erscheint in der Rubrik „From The Vaults“ eine Platte von einer Band, die im engen Zusammenhang mit der Stadt Regensburg stand und die noch heute unter alteingesessenen Regensburgern als regelmäßiger Gast des Tanzlokals „Colosseum“ bekannt sein dürfte – die Rede ist von „I Drive“ und ihrem einzigen Longplayer von 1972.

„Musik gibt Kraft zum Leben, weil wenn man Musik liebt und Musik hört und sich vertieft in die Musik, dann kann man Kraft schöpfen zum Leben und die Musik lässt vieles vergessen“, so der mittlerweile verstorbene Holocaust-Überlebende und Pächter des Tanzlokals Colosseum, Israel Offmann, in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk im Jahre 2012. Es war wohl diese bemerkenswerte Einstellung zur Musik und ihre besondere Wirkungsmacht, die Israel Offmann dazu bewegte, das Tanzlokal Colosseum 1962 zu übernehmen und zu einem wahren Musik-Eldorado und Treffpunkt einer rockbegeisterten und alternativen Jugend aufzubauen. Seinem Gespür für gerade angesagte und zeitgenössische Rockbands war es zu verdanken, dass große Namen aus der ganzen Welt im Colosseum engagiert wurden. Doch entdeckte Offmann auf seiner Suche auch immer wieder neue Bands, die beispielsweise bereits Gastspiele im Star-Club in Hamburg absolviert hatten und nun auf der Suche nach dem großen Erfolg waren, um diese dann oft mit monatlichen Engagements gezielt zu fördern. Zu diesen Bands gehörte auch I Drive. Die Engländer, die sich bis 1968 noch „Some Other Guys“ nannten und seit 1967 mit ihrem klapprigen Bus quer durch die Bundesrepublik tourten, wurden ab dem Jahre 1968 bis zur Schließung des Colosseums 1972 für zahlreiche Auftritte im Colosseum engagiert, daneben auch in Straubing in Offmanns zweitem Tanzlokal. Damit gehörte „I Drive“ definitiv zum festen Repertoire der Regensburger Rockmusikszene jener Zeit. Als Höhepunkt dieser Zeit kann ihre einzige Platte „I Drive“, veröffentlicht im Jahre 1972 auf Metronome, angesehen werden. Beim Durchhören erübrigt sich die Frage ganz von selbst, warum I Drive bei der Regensburger und Straubinger Jugend so beliebt war. In ihren Augen beherrschten es I Drive einfach, „authentische“ Rockmusik zu spielen, da sie aus England stammten und allen Kriterien einer damaligen Rockband entsprachen. Auf der Platte begegnet ein satter, harter und ganz unkomplizierter Sound, hervorgebracht durch E-Gitarrist und Sänger Richard Henry Hampson, Keyboarder und Sänger John Barry Smith, Schlagzeuger David Charles Bailey und Bassist Leslie Graham. Geff Harrison, eigentlicher Sänger von I Drive und begnadetes Stimmtalent, war vor der Plattenaufnahme ausgestiegen. Hampson und Smith teilten sich nun den Gesang, was der Platte jedoch nicht zum Nachteil wurde. Im Gegenteil, der Gesang ist mehr als überzeugend: Wild, teuflisch oder klagend und voller Emotion. Die rotzige und dominante Hammond-Orgel von Smith tat ihr übriges zu dieser energiegeladenen Musik, die nicht selten von einer dunklen, teuflischen Aura umgeben war. Doch genau das macht ihren Reiz aus. Zwar sind die Stücke eher kurz gehalten, doch haben sie es dafür in sich. Es ist so, als würden I Drive ständig aufs Gaspedal drücken, alles geben und sich in Rage spielen. Um nicht zu sagen: Die Musik hat einen gewissen „Drive“. Vermutlich war es diese Power, der Verzicht auf häufige Tricks und Effektspielereien und das Besinnen auf das traditionelle Rock-Handwerk, womit sie die Colosseum-Gäste überzeugten. Ich kann mir nur vorstellen, wie I Drive die Stimmung im Tanzsaal ordentlich aufheizten! Trotz der großen Beliebtheit im Colosseum stiegen I Drive nie in den Rang der weltweit bekannten Rockbands der Siebziger auf, lediglich Geff Harrsion mit seinen weiteren Projekten. Bis heute sind sie eine eher unbekannte Band geblieben, nur in Regensburg erinnert man sich gern an sie. Und wenn man sich das Platten-Cover von I Drive einmal etwas genauer ansieht, dann erkennt man im Hintergrund der Ampel eine ganz klare Anspielung auf die glorreiche Regensburg-Zeit von I Drive. Sind das nicht die Überreste des antiken Kolosseums aus Rom? Sicherlich ist dies als eine Widmung an Regensburgs treue Colosseum-Gäste und im Besonderen an den Pächter und Förderer I Drives, Israel Offmann, zu verstehen, der es verstand, jungen Menschen mithilfe der Musik neue Kraft zu schenken. (NiKu)

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