altemaelze

Live 71 – Canterbury, Brighton & Mancester

Colosseum

Diese Band war in den später 60ern, frühen 70ern der Inbegriff für Jazz- und Prog-Rock. 1968 vom Schlagzeuger Jon Hiseman und dem Saxophonisten Dick Heckstall-Smith gegründet, die zuvor gemeinsam mit der Graham Bond Organization gespielt hatten und danach mit John Mayall’s Bluesbreakers den europäischen „weißen“ Blues popularisiert hatten. Dazu kamen noch Dave Greenslade an den Keyboards und Bassist Tony Reeves sowie als Gitarrist und Sänger James Litherland. Diese Combo bestand in ihrer ersten Lebensphase gerade mal etwas mehr als drei Jahre, veröffentlichte in dieser Zeit allerdings immerhin vier Studioalben sowie das als Klassiker in die Musik-Geschichte eingegangene 1971er Live-Doppel-Album „Colosseum Live“, für viele neben „Fillmore East“ von den Allman Brothers das BESTE Livealbum aus dieser Zeit. Dieses Opus wurde damals bereits mit R&B-Sänger Chris Farlowe und David „Clem“ Clempson als Gitarrist sowie Mark Clarke am Bass eingespielt, die James Litherland und Tony Reeves ersetzten. Aus diesen ersten Jahren von Colosseum wurde jetzt mit „Canterbury, Brighton & Manchester“ ein neues Doppelalbum mit Aufnahmen von 1971 veröffentlicht, mit restaurierten Stereospuren und von Eroc und Dave Clempson remastert. Das ist ein weiterer Knüller aus dieser Zeit. Doch – das gilt nicht für alle Aufnahmen hinsichtlich des Neuwerts. Denn nur CD 1, aufgenommen am 12.Februar 1971 in Canterbury, an der Universität von Kent, ist komplett neu. Auf CD 2, die ersten beiden Songs aus Brighton (nähere zeitliche Angaben gibt es nicht) und die Tracks drei und vier, aus der Manchester University vom 13.März 1971, waren bereits Bestandteil der oben erwähnten Edition. Dort gibt es auch die Version des “Stormy Monday Blues”, ebenfalls aus Bristol. Auf der aktuellen Ausgabe soll dieser Song auch am 13.März 1971 in Manchester aufgenommen worden sein, wäre also auch neu. Mit dieser Veröffentlichung des Konzerts aus Canterbury ist Repertoire Records ein großer Wurf gelungen, und es hätte somit auch gereicht, das als Single-Album zu veröffentlichen. Die Band zeigt sich in grossartiger Spiellaune, die Klangqualität ist wirklich gut und der Liveeindruck ist überzeugend, man höre nur mal in „Lost Angeles“, “Walking In The Park” oder “Tanglewood ’63” rein. Auch Jon Hiseman ist von praktisch entfesselter Energie bei seinem über zehnminütigem Solo auf “The Machine Demands A Sacrifice”. Auf dem zweiten Silberling gibt’s neben den bekannten Songs endlich die über 20minütige „Valentyne Suite“, die auf der 71er Veröffentlichung fehlte und erst auf der remasterten Version von 2016 zu finden war. Auch die anderen Songs sprühen voller Energie, herrlich, dieses lange Duett von Hiseman und Greenslade auf “Rope Ladder To The Moon”. Fazit: Dieses 2CD-Set ist vollgepackt mit alternativen Versionen ihrer Iconic-Stücke, die Band ist auch hier auf fast zweieinhalb Stunden in bestechender Top-Form – alive & kicking!

Daneben wurden nun vier weitere der technisch am besten gelungenen Bootlegs jener Zeit von Repertoire Records noch einmal neu überarbeitet und hinsichtlich des Sounds erneut verbessert. Die teilweise schon mal auf CD veröffentlichten “Live At Montreux 1969”, “Live At The Boston Tea Party 1969”, “Live At Ruisrock, Turku, Finland 1970” und auch “Live At The Piper Club, Rome 1971” sind seit einigen Wochen erstmals als digitaler Download verfügbar und jetzt auch als CD erschienen. (Repertoire Records) P.Ro

****/*

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

Share on facebook
Share on twitter