altemaelze

Here we are

Sphinx

Geboten wird hier eine härtere Mischung aus Pomp-Rock in der Schnittmenge von Kansas ohne die Geigen, Styx der End-70er Jahre, ELO, Alan Parsons Project und auch eine Prise ELP.

Die Wiederveröffentlichung kultiger und obskurer deutscher Hard Rock/Metal-Alben geht mit der Band Sphinx in Runde #3. Die aus dem Stuttgarter Raum stammende Band veröffentlichte 1981 leider nur dieses eine Album “Here we are”, das Dank Neudi auf Golden Core ein zweites Leben geschenkt bekommt. Durch die rare CD-Version von 1990, das Album erschien 1985 nochmal auf LP unter dem Titel “Burning Lights” mit anderer Songreihenfolge, konnte Neudi hier mit einer sehr guten Vorlage arbeiten und hat dem Album einen tollen remasterten Sound verpassen können. Geboten wird hier eine härtere Mischung aus Pomp Rock in der Schnittmenge von Kansas ohne die Geigen, Styx der End 70er Jahre, ELO, Alan Parsons Project und auch eine Prise ELP. Der Sänger ist ein richtig guter Mann, der nur beim Abschlusssong “Galley” zu Beginn neben der Spur liegt, aber dann ab Minute zwei doch noch die Kurve bekommt. Der bekannteste Musiker ist, wie bereits zuvor als Gast bei der Band Piledriver, Thomas Metzger, aka Tommy Newton, der hier einige sehr scharfe Gitarrensoli vom Stapel lässt. Hier wäre besonders der fünfte mit fast acht Minuten längste und beste Song, und somit mein Anspieltipp auf dem Album, “Spirit of Live” zu nennen, der gegen Ende ein fast zweiminütiges Solo plus tolles Scharmützel mit den Keyboards liefert und als schöne Mischung von ELO/APP/Styx und ELP anzusehen ist. Auch die Keyboards verdienen eine besondere Erwähnung, werden sie nicht nur als Untermalung eingesetzt, sondern setzen mit ihren ungewöhnlichen Läufen, die man so noch nicht gehört hatte bei einer deutsche Band, tolle Akzente. Das balladeske und italienisch gesungene “I quell Angolo” bietet eine kleine Verschnaufpause, auch wenn es im Mittelteil mal etwas flotter zu Werke geht. Auch hier gibt es als “Fade out” wieder ein sehr schönes Gitarrensolo. Das ist auch der einzige Song in italienisch. Es wird also nicht zwischen italienisch und englisch gewechselt, wie anderswo geschrieben. Der Einstiegssong “Burning Lights” erinnert in seiner Art an Kansas gemischt mit Styx, ist schön radiotauglich ausgefallen und wäre international absolut konkurrenzfähig gewesen. Alle, die es dann noch etwas härter mögen, werden bei “666” fündig, mit okkult angehauchtem Text und scharf gespielten Keyboards a la Deep Purple zu “Perfect Strangers”-Zeiten und schönen harten Gitarren. Dann hätten wir noch den mit fettem Gitarrenriff beginnenden “Superstar”, der mit coolem Bass (den man auch in anderen Songs gut hörbar auf die Ohren bekommt) veredelt, in Richtung ProgRock tendiert. Fazit: Eine richtig tolle Veröffentlichung einer Band, die es leider nicht zu Größerem geschafft hat. Lag vermutlich auch an der Labelwahl. GAMA ist nun wirklich nicht die erste Adresse für Qualität usw., sondern passte eher in Richtung Metal-Enterprises. Schade, dass es keine Bonustracks gibt, so dass der Spaß leider schon nach 40 Minuten (typische Vinylänge halt) vorbei ist. Aber wie auch bei den anderen Alben der Reihe gab es vermutlich nichts und somit sind wir froh mit dem, was wir bekommen haben. Die Scheibe erhält von mir verdiente sechs Punkte und steht auch schon auf meiner Kaufliste. Bei YouTube kann man sich das komplette Album in seiner “ursprünglichen” Version in schlechterer Soundqualität vorab mal anhören. (Golden Core) HJH

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******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal

 

 

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