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Fünf Fragen an Jürgen Streu

Streu ist „Chef“ bei GHOST TOWN NOIZE

GHOST TOWN NOIZE nennt sich ein Kollektiv von Regensburger Bands und Machern rund ums Musik-Business, das vor fünf Jahren im Herbst 2015 gerufen wurde.

GHOST TOWN NOIZE nennt sich ein Kollektiv von Regensburger Bands und Machern rund ums Musik-Business, das vor fünf Jahren im Herbst 2015 ins Leben gerufen wurde. Neben dem hauseigenem Label liegt der Schwerpunkt auf dem Netzwerkgedanken. Jetzt im Herbst 2020 – fünf Jahre später – fragten wir bei Jürgen Streu, der für GTN verantwortlich zeichnet, nach, wie sich das so entwickelt hat.

1) Wie kam es zur Idee, ein solches „joint venture“ verschiedener lokaler Bands ins Leben zu rufen?

Die Idee hat ihren Ursprung sicherlich in irgendeiner Regensburger Kneipe und dürfte dann wohl um ca. 2 Uhr früh entstanden sein… Nüchtern betrachtet und ernsthaft darüber nachgedacht, hat uns – und das waren Heike, ich glaube, Heinz und noch der ein oder andere – die Idee dann so gut gefallen, dass wir Nägel mit Köpfen gemacht haben. Wir hatten das Gefühl, dass jeder so dahin wurschtelt und da wollten wir die Kontakte, das Wissen, die Erfahrungen einer jeden Band bündeln – als Label, Kollektiv oder was auch immer.

2) Wer hat da alles mitgemacht, wer ist heute noch dabei?

Damals war das ´ne Riesen-Aufbruchsstimmung. Man muss erwähnen, wir haben einen Proberaum/Studio mitten in der Stadt in der Weißbräuhausgasse und alle dort probenden Bands waren am Start. Das war „SickSickSick“, „The Wullfs“, „Johnny Firebird“ und viele mehr. Heike (Jörss) hatte damals ihr Grafikbüro auch noch im Gebäude und dort haben wir uns einquartiert. Wir hatten ziemlich schnell ein Team aus Heike, Heinz (Lehmann), dem Schluwi (von „The Wullfs“, heute „Megasuri“), Stich und Sarah Gosser zusammen, wo wir uns um Booking, PR, und was auch immer kümmerten. Leider merkten wir schnell, dass der Gedanke „zusammen sind wir stärker“ nicht gleich so klappte, wie wir uns das vorstellten. Die Sache ist momentan ziemlich eingeschlafen und Corona singt sein Lullaby noch ziemlich effektiv oben drauf…

3) Wie hat sich GTN in dieser Zeit entwickelt, vor allem die Netzwerksituation? Nach welchen Kriterien wählt ihr Bands aus, die bei euch veröffentlicht werden. Wenden sich die Bands an euch direkt, oder sprecht ihr sie an?

Wir haben ja nicht nur so dahin gewurschtelt. Es wurde ja ein richtiges Label angemeldet, das ja doch einiges an Aufwand abverlangt. Weiter hat GTN einen Vertrieb gefunden, der doch einiges an Infrastruktur, wie Aggregation für Online Dienste wie Spotify, Apple Music usw. und weitere Vertriebsmöglichkeiten mit sich bringt. Sogar im OX und im SLAMzine hatten wir einen Bericht – wir haben eigentlich nix besonderes oder anders gemacht, aber es hat wohl Aufsehen erzeugt. Momentan fehlt aber die Netzwerksituation komplett, weil sich Bands aufgelöst, umformiert oder anders orientiert haben. Das Label, was zunächst nie im Vordergrund stand, besteht aber nach wie vor stabil und wir nutzen diese, ich nenn es mal Plattform, um weiterhin lokale und aber gern auch nicht Regensburg ansässige Bands zu veröffentlichen.
Das sind schon meist Freunde oder Bekannte oder zumindest über Empfehlung. Aber auch direkt bei uns beworben oder angesprochen. Selbst suchen würde ich nicht, außer eine Band ist live so gut, dass es dich umhaut – aber die haben dann auch andere Chancen und müssen nicht zu GTN 😉 …eine Band muss halt schon „echt“ sein, einen professionellen Ansatz haben und Bock haben, live zu spielen. Sonst macht das keinen Sinn. Da gab es schon Bands – saugeile Musik, aber keinen Bock zu spielen. Auch Understatement ist nicht gerade förderlich. Eine Band sollte schon wissen, was ihr Wert ist – sowas muss man ja nicht hochnäsig vor sich hertragen, aber ein gewissen Selbstwertgefühl muss vorhanden sein – gesund und mit richtiger Einschätzung.

4) Gab es auch Enttäuschungen, Probleme?

Nö, eigentlich nicht. Probleme natürlich – technischer Natur oder dass mal was nicht so klappt, wie man es sich vorstellt. Gerne sollte halt mehr passieren und es wäre schön, wenn mehr Zeit für die ganze Sache wäre, aber es passt wie es ist.

5) Wie sind die Planungen für die Zukunft? Einige Sachen werden bei euch nur „digital“ veröffentlicht – was ist hier der Grund?

Der ganzen Sache nach Corona wieder einen riesen Arschtritt zu geben. Momentan merk ich erst, wie viel so was wert ist. Kontakte, Freunde und der gegenseitige Support. Es gibt ein paar großartige Bands, mit denen wir was machen wollen und da soll mal wieder was passieren!
Hm, da denk ich selbst viel drüber nach… Die CD ist ein überholter Datenträger. Niemand würde jemand zum Datenaustausch noch eine CD brennen – das Dropbox-WeTransfert man oder gibt, aber auch immer seltener, noch einen USB Stick weiter. Die CD war durch ihr Format, also 12cm statt 12 Inch und quadratisches Format mit Mini-Booklet schon immer ein fauler Kompromiss zum Vinyl. Vinyl ist haptisch das einzig Wahre und in Format und Aufmachung halt doch ein Stück Kunstwerk. Natürlich kommt es am Ende auf den Inhalt, also die Musik an, und wie die ihren Weg zum Kopfhörer oder der Lautsprecherbox findet ist am Ende wurscht. Hauptsache da dudelt was raus, oder?! Aber so eine richtige Lösung gibt es nicht. Wie gesagt, Datenaustausch per CD ist passe – das kann man digital eleganter lösen – und schon sind wir beim Streaming… Ein idealisierter Release schaut für mich so aus: Das Vinyl als Sammelobjekt oder Kunstwerk, die CD als Wegwerfprodukt zur kostenlosen Promo und das Streaming, um die Leute zu erreichen. Dazu Videos und weitere Kanäle. Problem ist halt: so ein Komplettpaket kostet richtig Asche. Vinyl pressen ist Luxus und ist ein Draufzahler. CD kostet nix mehr, aber dann macht man evtl. doch ein Digipack und schwupps sind wieder ein paar Hunderter für was Nutzloses verbraten und am Schluss schreien alle nur, kaufen aber nicht und streamen doch… Schwierig! Ne Lösung für diese Frage würde mir wohl ne Zweit-Insel bescheren – der Trend geht ja dahin, wurde mir gesagt ?

Fotokredit: Johnny Firebird

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